Unternehmensmeldung

Pioniere der Diabetes mellitus-Therapie: 90 Jahre Insulin

In diesem Jahr blicken wir auf 90 Jahre Forschung in der Diabetes mellitus-Therapie zurück. 1923 war unsere Vorgängerfirma Farbwerke Hoechst eines der ersten Unternehmen, dem es gelang, Insulin von gleichbleibend hoher Qualität im großen Maßstab zu produzieren. Heute produzieren wir, mit dem unter dem Markennamen Lantus® bekannten Insulin glargin, eines der führenden Insulinpräparate weltweit.

01. Juli 2013 - In diesem Jahr blicken wir auf 90 Jahre Forschung in der Diabetes mellitus-Therapie zurück. 1923 war unsere Vorgängerfirma Farbwerke Hoechst eines der ersten Unternehmen, dem es gelang, Insulin von gleichbleibend hoher Qualität im großen Maßstab zu produzieren. Heute produzieren wir, mit dem unter dem Markennamen Lantus® bekannten Insulin glargin, eines der führenden Insulinpräparate weltweit.

Pioniere der Insulintherapie

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestand die einzig mögliche Therapie bei Diabetes mellitus in allerstrengster Diät. Ein Großteil der Diabetiker verstarb an der Stoffwechselkrankheit.1

Sanofi-Vorgängerwerk in Frankfurt

(Sanofis Vorgängerfirma Farbwerke Hoechst bei Frankfurt am Main in den 1920er Jahren)

Erst 1921 kam mit der Entdeckung des Insulins durch kanadische und europäische Forscher der ersehnte Umbruch, der es seither Millionen Diabetikern in aller Welt erlaubt, besser mit der Erkrankung zu leben.

Die Erforschung und Entwicklung der Insulintherapie in den vergangenen 90 Jahren wurde zunächst von unserer Vorgängerfirma Farbwerke Hoechst, und später von den Farbwerken Hoechst und weiteren direkten Vorgängerfirmen von Sanofi ganz entscheidend geprägt.

1921 brachte die Forschungsarbeit von Frederick Banting, Charles Best, James Collip und John Macleod an der Universität Toronto den Durchbruch: Ihnen gelang es, Insulin aus der Bauchspeicheldrüse von Tieren zu extrahieren und dessen Wirkung am Menschen zu erforschen. Erster erfolgreich therapierter Patient war der 14-jährige Leonard Thompson, der vor Beginn der Insulintherapie bis auf die Knochen abgemagert war, nicht einmal mehr 30 kg wog und immer wieder ins Zuckerkoma fiel2. Unter Insulin besserte sich sein Zustand binnen weniger Wochen erheblich, so dass er ohne nennenswerte gesundheitliche Probleme leben konnte, bis er schließlich im Alter von 27 Jahren an einer Lungenentzündung verstarb.

Meilensteine der Insulinforschung und Therapieentwicklung bei Sanofi Diabetes und ihren Vorgängern

1907 veröffentlichte der Berliner Kinderarzt und Internist Georg Ludwig Zülzer erste Forschungen zur Therapie von Diabetes mellitus mittels Pankreasextrakten, die zum damaligen Zeitpunkt aufgrund der erheblichen Nebenwirkungen jedoch kaum auf Interesse stießen. Dennoch waren es die Experimente von Zülzer, die 1910 das Interesse der Farbwerke Hoechst an der Diabetes-Therapie weckten3 und den Anstoß zu einem Vertrag mit Professor Ernst Vahlen aus Halle4 über ein Patent bezüglich Extrakten aus der Bauchspeicheldrüse gaben.

Meilenstein der Insulinentwicklung

(Meilensteine der Insulinforschung)

Schon zwei Jahre später wurde ein weiterer Vertrag geschlossen, diesmal mit Professor Ferdinand Blum aus Frankfurt.5 Inhalt des Vertrages waren Pankreasextrakte für die Diabetes mellitus-Therapie. Doch auch hier waren die Therapieerfolge nicht zufriedenstellend, so dass sich die Parteien 1914 einvernehmlich trennten. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges musste die Forschung eingestellt werden. Erst 1921 konnte das Unternehmen mit der Produktion von Bauchspeicheldrüsenextrakten zur Therapie von Diabetes mellitus6 und klinischen Erprobung durch Ärzte beginnen. Die Belieferung mit Bauchspeicheldrüsen von Kälbern und Rindern, die für die zwei Jahre später einsetzende Insulinproduktion benötigt wurden, wurde durch Verträge mit mehreren Schlachthöfen sichergestellt.7

Bereits 1912 begann Hoechst mit der Erforschung von aus Bauchspeicheldrüsen von Tieren gewonnenen Extrakten zur Nutzung in der Diabetes mellitus-Therapie. In den 1920er Jahren war man von der chemischen Insulinsynthese noch weit entfernt – von biotechnologischen Herstellungsverfahren ganz zu schweigen. Fast 60 Jahre lang8 gab es für Diabetiker nur tierisches Insulin, das aus der Bauchspeicheldrüse von Schlachttieren gewonnen wurde. Verträge, die 1921 mit Schlachthöfen der Region geschlossen wurden, stellten die ausreichende Versorgung mit Kälber- und Rinderbauchspeicheldrüsen sicher.9In späteren Jahren lieferten viele große und kleine Schlachthöfe10 die Bauchspeicheldrüsen in Kühltransportern zum Werk, wo sie in riesigen Kühlkellern gelagert wurden.

Inzwischen war Hoechst die gute Qualität seines Produktes von dem von Oskar Minkowski gegründeten Deutschen Insulin-Komitee bestätigt worden, was es dem Unternehmen ermöglichte, Insulin nicht nur nach eigenen bewährten Methoden, sondern auch nach dem zuvor in Toronto entwickelten und nun verbesserten Verfahren herzustellen. Im Oktober 1923 brachte das Unternehmen „Insulin Hoechst“ in Europa in den Verkauf.11

Werbung der Farbwerke Hoechst aus dem Jahre 1923

(Werbung der Farbwerke Hoechst aus dem Jahre 1923)

Jahrzehnte der Innovation

Aufbauend auf der Erkenntnis, dass Insulin in kristallisierter Form einen deutlich höheren Reinheitsgrad und bessere Verträglichkeit besitzt, war Hoechst 1936 der erste Hersteller, der seine gesamte Produktion auf kristallisiertes Insulin umstellte.11 Es folgte in den 1930er und 1940er Jahren ein schneller Reigen neuer Produkte.

Hoechster Insuline

(Die Hoechster Insuline von 1923 bis 1953)

In den 1950er Jahren vertrieb das Unternehmen bereits ein vielfältiges Sortiment an Insulinpräparaten, darunter die Neuprodukte „Depot-Insulin Hoechst Klar“12 und „Komb-Insulin“ mit verbesserter verzögerter Freisetzung. Zusätzlich entwickelte Hoechst mit „Long-Insulin“ ein Langzeitinsulin mit 18 bis 26 Stunden Wirkdauer, das sein Wirkmaximum nach 3 bis 8 Stunden erreichte.13

Die 1960er waren das Jahrzehnt, in dem die biochemische Analyse zu ihrer Blüte kam. Nun war es endlich möglich zu bestimmen, welche Verunreinigungen noch in Spuren in den Insulinpräparaten enthalten waren. Es folgte die Suche nach neuen, verbesserten Aufreinigungsverfahren – mit Hilfe der Chromatographie. Ab 1970/71 schließlich kam in allen Insulinpräparaten des Unternehmens nur noch chromatographisch aufgereinigtes Insulin zum Einsatz. Insulinunverträglichkeiten verschwanden damit fast vollständig.14

Befüllen einer Zentrifuge

(Befüllen einer Zentrifuge im Jahre 1955)

In den 1970ern arbeiteten die Hoechst-Forscher mit Hochdruck an der Entwicklung von Humaninsulin. Der große wissenschaftliche Durchbruch kam 1976, als dem Unternehmen erstmals die Herstellung von halbsynthetischem Humaninsulin gelang. Ausgangsmaterial war Schweineinsulin, das sich von Humaninsulin nur in einer Aminosäure unterscheidet. Letztere wurde mittels biochemischer Verfahren ausgetauscht.

Es sollten jedoch noch einige Jahre vergehen, bis ein geeignetes Produktionsverfahren auf Basis wissenschaftlicher Ergebnisse entwickelt und zugelassen wurde. 1983 brachte Hoechst sein „Hoechst Depot-H-Insulin“ in den Handel.2

Die Arbeit an biosynthetischen Produktionsverfahren ging parallel dazu weiter. Denn ohne neue Technologie würde es bald nicht mehr gehen: Eine Studie des American National Diabetes Advisory Board hatte 1976 gezeigt, dass schon im Jahr 2000 die natürlichen Ressourcen nicht mehr ausreichen würden, um den weltweit wachsenden Insulinbedarf zu decken. Um 100.000 Diabetiker ein Jahr lang mit Insulin zu versorgen, brauchte es die Bauchspeicheldrüsen von drei Millionen Rindern bzw. von 14 Millionen Schweinen.

Produktion Monotherapie

(Produktion von „Monotherapien“ 1963 in den Farbwerken Hoechst)

Anfang der 1980er entwickelte das Unternehmen ein eigenes Verfahren zur Herstellung genetisch veränderter Bakterien für die Insulinproduktion. Auch der Bau einer Biosynthese-Anlage, in der die Produktion erfolgen sollte, wurde in Angriff genommen. Die langjährige Erfahrung von Hoechst in der großtechnischen Fermentation zur Herstellung von Antibiotika leistete hier großen Vorschub. Doch aufgrund der widersprüchlichen deutschen Gesetzeslage und der anfänglichen Ablehnung gentechnischer Herstellungsverfahren in der Öffentlichkeit sollte es bis zum Jahr 1998 dauern, bis eine Anlage zur Herstellung von Humaninsulin mittels gentechnisch modifizierter Mikroorganismen bei Hoechst in Betrieb gehen konnte.

1999 brachte das Unternehmen das rekombinante Humaninsulin Insuman® auf den Markt, das der Abhängigkeit von tierischem Ausgangsmaterial ein Ende bereitete und damit die Produktionsweise grundlegend veränderte.15

2001 schließlich brachte das Unternehmen Lantus® heraus, ein langwirksames Insulinanalogon mit 24 Stunden Wirkdauer, das weltweit einen neuen Standard in der Insulintherapie setzte. 2005 kam Sanofi mit Apidra® auf den Markt, einem kurzwirksamen Insulinanalogon, das es den Diabetikern ermöglicht, die Insulindosis unmittelbar auf ihr Essen abzustimmen und so ihren Blutzucker bei bzw. kurz nach der Mahlzeit zu kontrollieren.

Heute

Sanofi Diabetes ist noch heute in der historischen Firmenzentrale von Hoechst in Frankfurt am Main tätig, wo R&D, Produktion und Arzneimittelfertigung (Industrial Affairs) sowie die Verwaltung angesiedelt sind. Lantus® und Apidra® werden hier hergestellt – und knüpfen nahtlos an die Innovations- und Erfolgsgeschichte von Hoechst an.

Neben unseren Insulinpräparaten führen wir heute auch intelligente Blutzuckermessgeräte, orale Therapien und preisgekrönte Insulinpens im Angebot. Denn unser Ziel ist es, patientenorientierte Lösungen in Form von Therapien, Geräten und Leistungen zu entwickeln, die Diabetikern in aller Welt das Leben mit der Krankheit erleichtern.

Unsere Geschichte findet heute eine nahtlose Fortsetzung in unserem integriertem Portfolio, hinter dem eine tiefgehende Kenntnis des Patientenverhaltens sowie absolute Verschriebenheit dem fortschrittlichen wissenschaftlichen Denken stehen.

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