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SO BRINGEN SIE IHRE ORDINATION ZUM GLÄNZEN!

Mediziner sind keine Baumanager. Sanierungen oder Umbau von Ordinationen laufen leicht aus dem Ruder. Lesen Sie, wie Bedarf, Rechtslage und Finanzierung vor Baustart genau definiert werden sollten.

Sie sieht eine ihrer Hauptaufgaben darin, die Bauprojekte im Rahmen zu halten. „Viele Ordinationsinhaber neigen bei Umbau- oder Renovierungsvorhaben zu Übertreibungen“, stellt Eva Pöschl fest. „Daher schlafen nach den ersten Kostenvoranschlägen die Pläne häufig wieder ein“, sagt die Linzer Innenarchitektin.

Die Spezialistin für Praxiseinrichtungen und Medizintechnik hat nach eigenen Angaben in den vergangenen 20 Jahren hunderte Ordinationsgründungen und -sanierungen geplant. „Manchmal ist es sinnvoll, bei der Möblierung zu sparen, um bei den Technikinstallationen den gewünschten Status quo zu erreichen.“ Spätere Nachbesserungen ließen sich bei der Inneneinrichtung leichter durchführen als bei fehlenden Anschlüssen, erklärt die Ärzteberaterin. Dann ist der Sinn fürs Machbare gefragt. „Auch mit schmalen Budgets ist eine moderne Ordinationsatmosphäre erzielbar.“

AUFRÜSTEN

Die Beweggründe für umfassende Umbauarbeiten sind unterschiedlich. Die häufigste Motivation stellt der Wandel einer Wahlordination in eine Kassenpraxis dar oder die notwendige Auffrischung und Modernisierung der bestehenden Räumlichkeiten. Neue Services und höheres Patientenaufkommen führen oft zu einem Mehrbedarf an Raum und zu einer Änderung im Arbeitsablauf. Die Umbauarbeiten müssen gut vorbereitet werden, denn nirgendwo sind Zeit und Geld leichter verschwendet als bei einem Bauprojekt. Was bei Millionenprojekte zu beachten ist, gilt im Kleinen ebenso.

Quelle: © Springer Wien

VORFRAGEN

Eva Pöschl rät vor Beginn aller Arbeiten dringend zur Klärung der rechtlichen Positionen. Fragen gibt es vor allem bei Investitionen in eingemieteten Praxen. „Was passiert mit der Ordination bei Aufgabe des Standortes“, sagt Pöschl. Die Gründe reichen von einem normalen Adressenwechsel bis zu einem Todesfall. „Der Mietvertrag soll unbedingt ein Weitervergaberecht des Mieters beinhalten“. Wird die Ordination aufgegeben oder übergegeben, soll der Arzt, zumindest über einen gewissen Zeitraum hinweg, das Recht haben, einen Nachmieter zu benennen. Nur so ist das Problem der Ablöse für die Investitionskosten in den Griff zu kriegen. Ohne Weitergaberecht sind alle Ausgaben bei Beendigung des Mietvertrages verloren.

Wesentlich sind auch das unbefristete Mietverhältnis sowie ein geklärtes Untermietrecht. Darf der Vertragsinhaber einen Raum an einen befreundeten Wahlarzt, Masseur oder Physiotherapeuten weitervermieten? In vielen Ordinationskonzepten spielt eine Vernetzung von Gesundheitsdienstleistungen bereits eine große Rolle.

Zweiter wesentlicher Punkt einer geplanten Ordinationssanierung ist die Klärung der verfügbaren Mittel. Pöschl: „Ich schicke jeden Kunden nach dem Erstgespräch zu seinem Steuerberater“. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Erweiterungs- oder Umbaupläne sowie deren Finanzierung muss geprüft und gesichert sein. „Ich bin auf Projekte gestoßen, in denen alle Arbeiten im Gange waren, aber mit der Bank noch niemand geredet hat“, plaudert die Beraterin aus dem Nähkästchen. In vielen Projekten laufen Vorhaben und wirtschaftliche Sinnhaftigkeit auseinander. Wesentlich bei den Rechnungen sind die Auswirkungen eines Ordinationsumbaus auf die laufenden Betriebskosten. Hier ergeben sich vor allem im Wiener Raum oft überraschende Verschiebungen.

PLANUNG DES ARBEITSALLTAGS

Bei der unmittelbaren Planung der Ordination spielt die Anordnung der Arbeitsabläufe die bestimmende Rolle, wobei die Wege der Ärzte und der Assistenten im Vordergrund stehen. Das optimiert ärztliche Arbeitskapazitäten und Personalkosten. „Keine Mitarbeiter sollen mit einem Harnröhrchen durch das Wartezimmer laufen“, benennt Pöschl einen häufigen Planungsfehler. Zwei Behandlungsräume sind neben einem Sprechzimmer für den Arzt in einer vollausgelasteten Ordination maßgeblich, um Auslastung und Wartezeiten im Griff zu haben. An- und Entkleiden der Patienten kann bekanntermaßen sehr zeitraubend sein und vermindert die effektive Behandlungszeit um 25 bis 30 Prozent. Ebenfalls relevant: Kojen für Therapien und Infusionen.

Die Rezeption sollte so angelegt sein, dass ein Teammitglied trotz getrennter und diskreter Räumlichkeiten einen ständigen Blick ins Wartezimmer hat. Fenster oder andere Glaskonstruktionen bieten die notwendigen baulichen Lösungen. Getrennte Toiletten für Patienten und Ordinationsteam sollten ebenso selbstverständlich sein, wie ein Sozialraum für Mitarbeiter, der aber nicht überdimensioniert sein muss.

Quelle: © Springer Wien

MEDIZINTECHNIK UND INSTALLATION

Die Planung der medizin- und EDV-technischen Installationen ist nach dem Maximierungsprinzip durchzuführen. Vorbereitungen für elektronische Installationen sollte unbedingt durchgeführt werden, selbst wenn eine Umsetzung der digital gesteuerten Ordination noch Zukunftsmusik sein sollte. Die Konzeption der EDV-Vernetzung und des Zusammenspiels der medizinisch-technischen Apparate müssen vor Baubeginn von IT- bzw. Medizintechniker und dem ausführenden Elektriker definiert sein. Ein Architektenplan ohne medizintechnische und Hygieneexpertise ist sein Geld nicht wert.

Josef Ruhaltinger

Letzte Aktualisierung: 24.03.2021