Auf Reisen: Kulinarik ohne Reue

Gegrilltes, viel Knoblauch oder Chili, frische Salate und Obst, Eis, und Cocktails: die Verlockungen der lokalen Küchen sind groß und heben die Stimmung. Aber häufiges „Völlern“ nach dem Motto „Ich bin ja im Urlaub“ kann die Euphorie dämpfen, wenn es sich nach und nach auf die Verdauungsorgane negativ auswirkt. Nicht nur, dass die Mengen oft größer und die Portionen häufiger sind als im Alltag, sind sie möglicherweise auch reichhaltiger, fetter, zuckerhaltiger und schärfer als „normal“ - und das oft in Kombination mit viel Alkohol. Auch ungewohnte Lebensmittel wie viel Fisch und Meeresfrüchte, spezielle Gewürze, kühle Getränke etc. können ihren Beitrag zu Verdauungsproblemen leisten. Das Essverhalten Im Urlaub kann dann zu Magenschmerzen, Blähungen, Aufstoßen oder Sodbrennen führen.

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So manch einer vergisst darauf, Lebensmittel zu vermeiden, die er sonst aufgrund von Unverträglichkeiten, Allergien, Krankheiten oder Empfindlichkeiten strengstens auslässt. Bei langen Anreisen wiederum können Bewegungsmangel, zu wenig Trinken und die Vermeidung öffentlicher Toiletten zu Verstopfung führen. Ungewohnte Essenszeiten, z. B. durch die Zeitverschiebung, das Klima und die Hitze wirken sich ebenfalls auf die Verdauung aus.

Keine Gefahr - grundsätzlich

Abgesehen von bestimmten Verhaltensregeln, die man beachten sollte (siehe weiter unten), sind Lebensmittel in fremden Ländern grundsätzlich aber keine Gefahr. „Mitteleuropäer vertragen, sofern keine Lebensmittelallergie oder –intoleranz vorliegt, eigentlich alle Lebensmittel ganz gut“, meint Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm, Präsident des Österreichischen Akademischen Institut für Ernährungsmedizin.

Was hilft also, um im Urlaub fit zu bleiben? TCM-Ernährungsberaterin Katharina Ziegelbauer rät dazu: Maß halten bei der Menge, mindestens drei Stunden Pausen zwischen den Mahlzeiten einhalten, hauptsächlich Wasser trinken, essen und dabei auf den Körper hören und den Urlaub genießen.

Begleiterscheinung Reisedurchfall

Eine häufige Begleiterscheinung bei Reisen in ferne Länder ist die Reisediarrhoe (RD). Laut Zentrum für Reisemedizin (reisemed.at) sind 40 Prozent der Urlauber auf Fernreisen davon betroffen, nicht zuletzt dadurch, dass sie nahrungsmittelhygienische Grundsätze missachten. Ein Ratschlag dazu lautet: „Peel it, cook it, or forget it“ – also schälen, kochen oder Finger weg.

reisemed.at nennt verschiedene Risikofaktoren, welche das Auftreten von RD beeinflussen: die Destination, die Jahreszeit, der Reisestil (Badeurlaub, geführte Rundreise, Individualtourismus), die Unterbringung (Luxushotel oder einfache Quartiere), Herkunftsland oder Alter des Reisenden und Aufenthaltsdauer im Gastland. Erhöhtes Risiko für eine Infektion mit E.- coli-Bakterien, Auslöser von RD, besteht im Nahen Osten, in Süd-/Südostasien, in Afrika und in Lateinamerika. Ein Urlaubsaufenthalt in einem Luxushotel sei aber noch keine Garantie, nicht zu erkranken, da hier verschiedene Hygienerisiken sogar versteckt werden könnten, etwa Probleme mit der Energieversorgung oder mangelhafte Standards in der Hotelküche.

Auslöser von Erkrankungen

Auslöser von Durchfallerkrankungen sind laut Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz Bakterien wie das enterotoxische Escherichia coli (ETEC), Campylobacter oder Salmonellen (Bakterien, die über verunreinigte Nahrungsmittel, z. B. Fleisch, Eier, Milch, in den Körper gelangen).

Drei bis zehn Tage nach der Ansteckung durch ETEC zum Beispiel kommt es in der Regel zu wässrigen Durchfällen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und gelegentlich zu Fieber.

Zudem können Viren wie das Norovirus oder Parasiten (z.B. Giardia) zu leichten bis schweren Infektionen im Magen-Darm-Trakt führen. Die Ansteckung erfolgt über verdorbene oder verunreinigte Speisen und Getränke. Auch schwere Infektionskrankheiten wie z.B. Hepatitis A oder Typhus können durch verunreinigte Nahrungsmittel und Getränke übertragen werden.

Was man auf Fernreisen vermeiden soll

Gesundheitsportale (z.B: gesundheit.gv.at, reisemed.at, gesundleben-apotheken.de) raten gerade beim Essen auf gewisse Lebensmittel und Getränke (besonders in Entwicklungs- und Schwellenländern) zu verzichten, um RD und andere Erkrankungen des Verdauungsapparates zu vermeiden:

  • Brunnen- und Leitungswasser
  • Eiswürfel und Eiscreme
  • Salate (haben oft hohe Keimbelastung durch Kopfdüngung mit Fäkalien bzw. Restwasser) und rohes Gemüse
  • Ungeschälte bzw. ungewaschene Früchte
  • Roher Fisch, rohes Fleisch
  • Lauwarme Speisen (z.B. vom Buffet)
  • Fertig gekochte Speisen von Straßenverkäufern
  • Speisen und Desserts mit rohen Inhaltsstoffen (z. B. Mayonnaise, Tiramisu)
  • Unpasteurisierte Milchprodukte
  • Exotisches Fleisch (z. B. Affe oder Fledermaus)

Was man hingegen essen oder trinken kann

  • Original verschlossene Softdrinks
  • Individuell aufbereitetes, (in Originalflaschen) abgefülltes Trinkwasser
  • Tropische Früchte wie Mangos, Papayas, Ananas, Bananen etc., die geschält werden
  • Obst und Gemüse, das mit abgekochtem Wasser gewaschen wurde
  • Frisch zubereitete und durchgegarte Speisen
  • Pasteurisierte Milchprodukte
  • Hart gekochte Eier
  • Verpackte Lebensmittel, wenn sie unmittelbar vorher geöffnet wurden

Was man beachten sollte

  • Auch beim Zähneputzen abgekochtes oder abgefülltes Wasser verwenden
  • Häufig Hände waschen, besonders vor dem Essen und nach der Toilette

Was hilft bei Reisedurchfall?

Bei starken Durchfällen mit Erbrechen, Fieber oder blutigem Stuhl muss ein Arzt konsultiert werden. Der mit dem Durchfall verbundene Flüssigkeits- und Mineralverlust ist speziell für Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere, ältere Menschen sowie immungeschwächte Personen gefährlich.

Als Sofortmaßnahme bei Reisedurchfall wird in erster Linie Wasser trinken genannt sowie der Ersatz von Glukose und Elektrolyten, empfohlen wird vom Zentrum für Reisemedizin die die Orale Rehydrationslösung (ORS) der WHO zum Flüssigkeitsverlustausgleich. Auch ein Antibiotikum kann verabreicht werden. Das Zentrum für Reisemedizin warnt allerdings: „Generell sollte der Einsatz antibiotisch wirksamer Medikamente sparsam erfolgen und für den Reisenden eigentlich die ultima ratio darstellen, wenn es um die Behandlung geht.“

Letzte Aktualisierung: 25.06.2019