Schmerzender Nacken – Vielfältige Behandlungsmöglichkeiten

Ein Stich, ein Schmerz, ein Aufschrei: Wenn es plötzlich im Nacken weh tut, kann das unterschiedliche Ursachen haben. Nackenschmerzen und Verspannungen können chronisch oder akut sein. Grund dafür ist in erster Linie Überlastung der Muskeln. Manchmal helfen schon Wärme und eine Salbe.

Erst ist es nur ein brennend heißer Stich, dann ziehen die Schmerzen über den ganzen Nacken- und Schulterbereich und verursachen schließlich oft auch noch Kopfweh – fast jeder hat das schon einmal erlebt. „Schuld“ daran können ein kalter Luftzug oder das Tragen einer schweren Tasche genauso sein wie langes Sitzen am Schreibtisch oder die exzessive Nutzung des Handys.

Diese ungünstigen Belastungen bringen aber nur zu Tage, was sich schon über einen längeren Zeitraum auf das körperliche Befinden auswirkt: eine Überlastung von Muskeln im Rücken-, Nacken- und Schulterbereich, schlechte Haltung und Stress. Tritt der Schmerz auf, versuchen Geplagte, ihm durch eine veränderte Körperhaltung entgegen zu wirken – was diesen allerdings meist verstärkt.

Ursachen für Nackenschmerzen

Nackenschmerzen können akut auftreten und nach einigen Tagen oder zwei bis drei Wochen (auch ohne Therapie) wieder verschwinden. Von chronischen Schmerzen spricht man ab einer Dauer von drei Monaten.

Die häufigsten Ursachen für die Schmerzen sind Muskelverspannungen, degenerative Erkrankungen wie Verschleiß von Wirbelkörpern, Bandscheibenvorfall, Verkalkung von Bändern oder auch Verletzungen wie Muskelzerrungen oder gar Wirbelbrüche. Psychische Faktoren wie Stress im Privatbereich oder in der Arbeit können ebenso eine Rolle spielen wie Erkrankungen innerer Organe. Selten sind es Infektionen, entzündliche Erkrankungen oder Tumorerkrankungen.

Die Rolle des Handys

„Stellen Sie sich vor, Sie müssten über einen längeren Zeitraum eine Kiste Bier im Nacken tragen. Dieser Belastung ist Ihre Halswirbelsäule bei einer längeren Kopfvorbeugung wie beim Arbeiten am Tablet oder Handy ausgesetzt“, erklärt Ingrid Heiller, Leiterin des Instituts für Physikalische Medizin und Orthopädische Rehabilitation Orthopädisches Spital Speising in Wien. Nacken-Schulter-Schmerzen, die im Extremfall bis in den Arm strahlen, nehmen weltweit zu. Akute Episoden treten vor allem bei jüngeren Erwachsenen durch die Verwendung von Smartphones auf, weiß die Expertin. Ältere Patienten leiden hingegen aufgrund langjähriger Fehlbelastungen vor allem durch sitzende Tätigkeiten unter chronischen Schmerzen.

Erste Hilfe

Handelt es sich um akute Nackenschmerzen wird allgemein dazu geraten, Schonhaltungen zu vermeiden und stattdessen „normale“ Aktivitäten aufzunehmen bzw. sich ausreichend zu bewegen. „Vor allem wichtig ist eine Triggerpunktmassage“, erklärt Heiller, „sowie haltungskorrigierende, stabilisierende Übungen für die Halswirbelsäulensegmente. Unterstützend kann lokale Wärme oder eine Ultraschalltherapie durchgeführt werden.“

Diverse Maßnahmen
  • Orale (entzündungshemmende) Medikamente dienen eventuell der Linderung des Schmerzes.
  • Cremen und Salben wie etwa Finalgon® (mit dem Wirkstoff Nonylvanillamid) sind durchblutungsfördernd, wärmen die betroffenen Stellen und können so Verspannungen lösen und Muskelschmerzen lindern.
  • Ein warmes Bad, ein Schal oder auch Wärmepflaster entspannen bzw. halten den Nackenbereich warm.
  • Auch diverse physikalische Therapien sind empfehlenswert – spätestens bei wiederkehrenden oder chronischen Nackenschmerzen. Ein Arzt kann etwa Massagen und Strom- oder Ultraschallbehandlungen verschreiben, welche die Muskeln besser durchbluten und Schmerzen lindern.
  • Weiterführende Physiotherapien mit entsprechenden Übungen helfen, verspannte Muskeln zu dehnen und zu kräftigen. Ergänzend sind auch Massagen und Akupunktursitzungen wirksam.
  • Gegen den Stress und die möglichen damit einhergehenden Nackenverspannungen helfen diverse Entspannungsmethoden, autogenes Training, Biofeedback u.ä. sowie auch Verhaltenstherapien.
  • Notwendig ist auch eine ergotherapeutische arbeitsplatzorientierte Beratung.
Vorbeugung

Regelmäßige sportliche Bewegung und ausgleichende körperlich Aktivitäten sind das A und O. Eine kräftige Rücken- und Bauchmuskulatur stützt die Wirbelsäule. Heiller empfiehlt: „Präventivmaßnahmen müssen durch ergonomische Arbeits- und Alltagsberatung vor allem für optimiertes Sitzverhalten bzw. eine Verbesserung der Liegeeigenschaften gesetzt werden. Verhindern soll man vor allem monotone langwierige Haltungen – etwa beim Arbeiten.“

Tipps für den Nacken
  • Richtig sitzen: ergonomischer, wirbelsäulenfreundlicher Arbeitsplatz
  • Ausgleichen: regelmäßige Entspannungs- und Bewegungspausen
  • Haltung korrigieren: mithilfe von Übungen und Anleitungen eines Therapeuten
  • Entspannen: Stress vermeiden, ausgleichen, abbauen
  • Gut schlafen: mit der richtigen Matratze, Schlafstellung und eventuell Nackenpolster
  • Warm halten: Zugluft und Feuchtigkeit vermeiden; Wärmeanwendungen, wenn notwendig (Rotlicht, Salben, Wärmepflaster)
Tipps und Broschüren

Die Wiener Ärztekammer bietet in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Manuelle Medizin und der Bundesfachgruppe Physikalische Medizin und allgemeine Rehabilitation mit den Broschüren „Rücken ohne Tücken" und „Der schmerzhafte Bewegungsapparat" Wegweiser für einen gesunden Rücken:

► http://www.aekwien.at/aekmedia/Der_schmerzhafte_Bewegungsapparat.pdf
► http://www.manuellemedizin.org/

 

Die Österreichische Schmerzgesellschaft informiert über nicht medikamentöse Schmerztherapien bzw. psychologische und physikalische Behandlungsmethoden:

► https://www.oesg.at/patienteninformationen/nicht-medikamentoese-schmerztherapie/

 

Letzte Aktualisierung: 02.11.2018