Verstopfung: Unterschiedliche Beschwerden, unterschiedliche Therapie

Lange wurde für die Beurteilung eines „normalen“ Stuhlgangs nur die Häufigkeit der Stuhlentleerung, also die Stuhlfrequenz, betrachtet. Dies belegt allein schon die Tradition in Krankenhäusern, nach der Pflegekräfte Patienten täglich nach der Zahl der Stuhlgänge fragen und dann eine entsprechende Anzahl von Strichen in die Patienten-Kurve eintragen. Wenn dann die Ärzte bei der Visite täglich ein bis drei Striche sehen, scheint die „Stuhlgangs-Welt“ in Ordnung zu sein. Dabei kann selbst bei mehreren Strichen pro Tag eine Verstopfung vorliegen. Es ist nämlich gar nicht ungewöhnlich, dass Patienten mit hartem Stuhlgang diesen oft nur sehr schwer, mit starkem Pressen und in mehreren Anläufen über den Tag verteilt entleeren können.

Daher spricht man von chronischer Verstopfung, wenn von unbefriedigenden Stuhlentleerungen berichtet wird, die seit mindestens drei Monaten bestehen, und wenn mindestens zwei der folgenden Leitsymptome auftreten:

  • Notwendigkeit, stark zu pressen
  • Klumpiger oder harter Stuhl
  • Subjektiv wahrgenommene unvollständige Entleerung
  • Subjektiv wahrgenommene Verstopfung
  • Manuelle Manöver zur Erleichterung der Defäkation bei mehr als 25% der Stuhlentleerungen
  • Weniger als drei Stühle pro Woche

So berichten 71% der Betroffenen von „hartem Stuhlgang“, bei 59% ist „Pressen“ zur Entleerung notwendig und 32% leiden unter „unregelmäßiger Entleerung“.

Gezieltes Behandeln der Beschwerden

Für die Behandlung der Obstipation, die im Rahmen der Selbstmedikation erfolgen kann, empfiehlt die interdisziplinäre S2k-Leitlinie5 der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGSV) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) als Basistherapie Allgemeinmaßnahmen wie Flüssigkeitszufuhr, vermehrte Bewegung und ballaststoffreiche Ernährung. Bei unzureichender Wirkung dieser Maßnahmen empfehlen die Autoren als Mittel der ersten Wahl „Laxanzien“ wie Bisacodyl, Natriumpicosulfat und Stuhlweichmacher wie Macrogol. Alle drei Substanzen werden in der Leitlinie als gleichrangig empfohlen.

Bei den Stimulantien Bisacodyl und Natriumpicosulfat steht die direkte motorische Aktivierung der Darmaktivität im Vordergrund begleitet von einem Anstieg des luminalen Wassergehaltes. Dagegen handelt es sich bei Macrogol um eine Substanz mit hoher Wasserbindungskapazität, welche die aufgenommene Flüssigkeit in den Dickdarm transportiert und dort zurückhält. So wirkt Macrogol den Eindickungseffekten im Dickdarm entgegen und weicht harten trockenen Stuhl auf. Weitere Informationen zu Macrogrol finden Sie hier

Letzte Aktualisierung: 21.07.2020