Zeit des Pollenflugs - wie Allergien entstehen

Zahlreiche Studien2 beschäftigen sich mit den Ursachen, Auswirkungen, unterschiedlichen Ausprägungen, potenziellen Vorsorge- und Heilmitteln zum Thema. Und dennoch nehmen Allergien in Österreich zu. Im Rahmen der Langzeit-Bevölkerungsstudie LEAD zur Gesundheitssituation, bei der auch Daten von Personen aus Wien und Niederösterreich untersucht wurden, waren im Jahr 2017 37 Prozent der Teilnehmer Allergiker. Die Allergien haben außerdem im zeitlichen Vergleich seit 2012 um 13 Prozent zugenommen.

Warum kommt es zu einer Allergie?

Bekanntlich ist es Aufgabe des Immunsystems, den Körper des Menschen vor „Eindringlingen“ zu schützen. Bei Allergikern ist dieser Abwehrmechanismus gestört. Er kann nicht mehr zwischen schädlichen und nicht schädlichen Stoffen unterscheiden und reagiert stark auf Stoffe, die für ihn fremd sind: Pollen, Schimmelpilz, Hausstaub, bestimmte Nahrungsmittel, Insektengifte und -stiche, Tierhaare oder -schuppen, Medikamente oder bestimmte Farbstoffe und Metalle.

Die genaue Ursache für die Entstehung von Allergien ist nicht ganz geklärt. Forschungen gehen davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenspielen. Laut dem Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (BMASGK) kann die Veranlagung genauso wie die Entwicklung der Zivilisation und der damit verbundenen zunehmenden Sterilität des Lebensumfelds in den Industrieländern eine Rolle spielen. Zeigen Kinder bereits im frühen Alter erste Symptome (Atopie) steige das Risiko, später an einer Allergie zu erkranken, heißt es.

Faktoren für die Entstehung der Allergien

Der deutsche Allergieinformationsdienst zählt die Faktoren zur Entstehung von allergischen Erkrankungen im Detail auf. Ein Auszug:

1. Genetische Veranlagung und Atopie

Die Veranlagung bzw. das Zusammenspiel verschiedener genetischer Faktoren bestimmt, wie die Fremdstoffe Barrieren des Körpers durchdringen können. Atopie definiert in diesem Zusammenhang die erbliche Neigung von allergischen Reaktionen auf den Kontakt von Stoffen mit der Bildung von IgE-Antikörpern.

Atopie begünstigt demnach das Auftreten allergischer Erkrankungen an unterschiedlichen Organen:

  • Haut: atopisches Ekzem (Neurodermitis)
  • Lungen: allergisches Asthma
  • Nasenschleimhaut: allergischer Schnupfen (Rhinitis)
  • Augen: allergische Bindehautentzündung (Konjunktivitis)
  • Verdauungstrakt: Nahrungsmittelallergie

Auch Kombinationen dieser Krankheiten kommen vor. Die Sensibilisierung bei Atopie beginnt zumeist schon in der Kindheit. Der charakteristische Verlauf wird „allergischer Marsch“ genannt.

2. Epigenetische Faktoren

Umwelt und eigenes Verhalten wirken sich anhaltenden Forschungen zufolge auf epigenetische Strukturen aus. Ein Beispiel dafür wäre, dass werdende Mütter durch das Rauchen epigenetische Veränderungen im Embryo bewirken, womit das Asthmarisiko des Kindes steige.

3. Hygiene

Die Hygienehypothese (auch Bauernhof- oder Urwaldhypothese) basiert auf der wissenschaftlichen Annahme, dass Allergien und atopische Erkrankungen verstärkt in den Industrieländern und in Städten zugenommen haben. Kinder, die mit Tieren bzw. auf dem Bauernhof aufwachsen, erkranken demnach seltener an Asthma oder Heuschnupfen. Eine Rolle spielen demnach auch das Trinken roher Kuhmilch sowie Mikroorganismen, die anscheinend Schutzwirkung zeigen. Kleinkinder, die mehr Schmutz und Keimen ausgesetzt sind, können dabei laut der Hypothese ein besseres Immunsystem entwickeln.

4. Luftschadstoffe

Industrie- und verkehrsbedingte Schadstoffe in der Luft beeinflussen die Entstehung und den Verlauf von Allergien. Die Stoffe reizen Schleimhäute, was zu Entzündungsreaktionen führen kann, was die Entstehung von Allergien begünstigt.

5. Tabakrauch

Aktives Rauchen erhöht die Wahrscheinlichkeit, an Asthma zu erkranken. Auch Passivrauchen ist Untersuchungen zufolge ein Risikofaktor. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit bei Kindern rauchender Eltern ist hoch.

6. Klimawandel

Der Klimawandel beeinflusst Beginn und Dauer der Pollenflugzeit. Die Blütezeit bestimmter Pflanzen beginnt inzwischen früher, die Zeit der Beschwerden für Pollenallergiker dauert länger. Ein weiterer Punkt ist die Ausbreitung von nicht heimischen Pflanzen mit allergener Wirkung (z. B. Beifuß-Ambrosie).

7. Psyche

Emotionale und psychische Belastungen oder Stresszustände können Provokationsfaktoren für atopische Erkrankungen sein.

8. Ernährung

Ernährung spielt insbesondere im Kontext mit Unverträglichkeiten von Nahrungsmitteln und pollenassoziierten Kreuzallergien eine Rolle.

Zeit der Pollen

Ungefähr jeder fünfte Österreicher leidet unter einer Pollenallergie, sie ist die am häufigsten verbreitete Form der Allergie hierzulande und tritt besonders im Frühling und Sommer auf. Ausgelöst wird die Allergie durch Pollen von Bäumen (z. B. Birken, Erlen), Sträuchern, Gräsern und Getreidearten (z. B. Roggen) im Frühling und Kräutern im Herbst. Ein Kennzeichen für eine Pollenallergie ist der streng saisonale Verlauf. Die Symptome treten während der Blütezeit der Pflanze auf, auf die man allergisch reagiert.

Zeit der Pollen

Ungefähr jeder fünfte Österreicher leidet unter einer Pollenallergie, sie ist die am häufigsten verbreitete Form der Allergie hierzulande und tritt besonders im Frühling und Sommer auf. Ausgelöst wird die Allergie durch Pollen von Bäumen (z. B. Birken, Erlen), Sträuchern, Gräsern und Getreidearten (z. B. Roggen) im Frühling und Kräutern im Herbst. Ein Kennzeichen für eine Pollenallergie ist der streng saisonale Verlauf. Die Symptome treten während der Blütezeit der Pflanze auf, auf die man allergisch reagiert.

Studie zur Wirkung von Ozon und Pollen

Eine neue Studie1 des Österreichischen Pollenwarndienstes der Medizinischen Universität Wien gemeinsam mit der Informationsplattform IGAV (Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung) zeigt auf, wie sich die Ozonbelastung auf Pollenallergiker auswirkt. „Belastungen durch Feinstaub, Stickstoffdioxid oder Ozon beeinträchtigen nachweislich die Gesundheit der Bevölkerung und können sogar die Lebenserwartung verringern“, sagt Hans-Peter Hutter, stellvertretender Leiter der Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin am Zentrum für Public Health, MedUni Wien.

Im Rahmen einer Studienkooperation der Forschungsgruppe Aerobiologie und Polleninformation an der MedUni Wien und der Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Salzburg wurde die Auswirkung von Luftverschmutzung in Wien durch Ozon, Stickstoff- und Schwefeldioxid sowie Feinstaub auf Pollenallergiker untersucht. „Vor allem Ozon scheint einen Einfluss zu haben, wie sich besonders bei Gräser- und Birkenpollenallergiker zeigt – je höher die Ozonbelastung, desto stärker sind vor allem die Lungenbeschwerden“, stellt Uwe E. Berger, Leiter des Österreichischen Pollenwarndienstes der MedUni Wien, fest: „Damit kann erklärt werden, warum auch dann starke Beschwerden vorhanden sind, obwohl sich nur relativ wenig Pollen in der Luft befinden.“

Pollen-Tagebuch & Pollen-App

In einem Pollen-Tagebuch, erreichbar über die „Pollen“-App oder auf www.pollentagebuch.at, können Allergiker ihre Beschwerden möglichst täglich eintragen und damit erkennen, welche Belastungen tatsächlich in welchem Ausmaß für die Beschwerden verantwortlich sind. Die App ist z. B. auf www.pollenwarndienst.at verfügbar. Interessierte können auch per WhatsApp über die aktuelle Pollensaison informiert werden. Pollenwarndienst Whatsapp News: https://forms.websms.com/#/y7ehpsy/optin/

Letzte Aktualisierung: 22.05.2019