EU SETZT AKTIONEN IM KAMPF GEGEN KREBS

Ein Ziel ist die Beseitigung von Ungleichheiten zwischen den Mitgliedstaaten.

40 Prozent aller Krebserkrankungen wären durch Prävention vermeidbar. Doch die EU-Staaten geben im Durchschnitt lediglich drei Prozent ihres Gesundheitsbudgets für Krebsprävention aus. „Ich werde einen europäischen Plan zur Krebsbekämpfung auflegen, der die Mitgliedstaaten bei der Verbesserung der Krebsbekämpfung und -behandlung unterstützt“, kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in ihren politischen Leitlinien an.

Dieser Plan, der Europe’s Beating Cancer Plan, soll im Februar angenommen werden. Was genau er letztlich vorsehen wird, deutet die Roadmap dazu an:

• Chancengleichheit innerhalb der EU: Immer wieder betont die Kommission, Chancengleichheit bei der Krebsbekämpfung für alle EU-Bürger schaffen zu wollen. Sowohl die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, als auch die Wahrscheinlichkeit, diesen zu überleben, dürfe nicht davon abhängen, in welchem EU-Land man lebt. Momentan gibt es sehr große Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten hinsichtlich Krebsinzidenz, Überlebensraten und dem Zugang zu Vorsorge, Diagnose und Behandlung. Beispiele dafür bringt der Comparator Report on Cancer in Europe: So liegt die Wahrscheinlichkeit, ab der Diagnose Darmkrebs weitere fünf Jahre zu leben, in Island bei 70 Prozent, in Kroatien hingegen bei nur 50 Prozent. Die Pro-Kopf-Ausgaben für Krebsmedikamente im Jahr 2018 bewegten sich je nach Mitgliedstaat zwischen einem Minimum von 13 Euro und einem Maximum von 108 Euro.
• Prävention: Da 40 Prozent aller Krebserkrankungen vermeidbar wären, legt die Kommission in ihrem Krebsbekämpfungsplan einen starken Fokus auf Prävention. Dazu zählen insbesondere die Einschränkung von Rauchen und Alkoholkonsum, ein besserer Zugang zu gesunder Ernährung, die Reduktion von Umweltrisiken und höhere Durchimpfungsraten bei krebsverursachenden Viren. Auch die Einführung digitaler Maßnahmen und kosteneffektive Technologien in der Krebserforschung sollen einen Beitrag zur Prävention leisten.
• Früherkennung und Diagnose: Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Telemedizin und die verstärkte Nutzung der Europäischen Referenznetzwerke für seltene Erkrankungen können Krebsdiagnosen beschleunigen und verbessern sowie Ungleichheiten innerhalb der EU vermindern.
• Behandlung und Versorgung: Die Arzneimittelstrategie, die Chemikalienstrategie sowie das neue Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, „Horizont Europa“, könnten den Zugang zu bestmöglicher Behandlung und die Einführung neuer Therapien erleichtern, indem sie die Verfügbarkeit und Leistbarkeit wichtiger Medikamente garantieren. Darüber hinaus könnten sie dabei helfen, mögliche Anreize für Innovation insbesondere bei seltenen Krebserkrankungen oder Kinderkrebs zu identifizieren und öffentliche wie auch private Investments in Forschung zu stimulieren.
• Lebensqualität: Ein großes Anliegen der Kommission ist die Verbesserung der Lebensqualität nicht nur von Krebspatienten und -überlebenden, sondern auch von Pflegenden. Dafür schlägt sie die Errichtung und Nutzung von Plattformen und Strukturen zur Verbreitung von Best Practices in Bereichen wie psychologischer Unterstützung, Schmerzmanagement, beruflichem Wiedereinstieg oder zur Übertragung von Krankenakten vor. Patientenzentrierte Versorgung mithilfe digitaler Möglichkeiten wie Wearables oder mobiler Gesundheitsanwendungen sollen die Lebensqualität von Patienten, die den Krebs besiegt haben, erhöhen. Für professionelle Pfleger sowie für pflegende Angehörige soll es neben Best Practices praktische Unterstützungsmaßnahmen und soziale Sicherheit geben.
• Wissen und Daten: Die Kommission unterstreicht das große Potenzial, das in der Kombination und im Teilen von klinischen Daten liegt: Diese Daten bilden die Grundlage für personalisierte Medizin, High Performance Computing, Big Data und künstliche Intelligenz und spielen bei Fortschritten in der Onkologie eine wesentliche Rolle. Die „Mission on Cancer“ sowie Forschungs- und Innovationsvorhaben, eine digitale Infrastruktur und der zukünftige Europäische Gesundheitsdatenraum sollen dabei helfen, Wissenslücken in diesen Bereichen zu schließen.

Allerdings steht die EU bei der gemeinsamen Nutzung von Gesundheitsdaten noch vor großen Herausforderungen. Die EFPIA, die europäische Vereinigung der pharmazeutischen Industrie und ihrer Verbände, zeigt in einem Bericht über die onkologische Datenlandschaft in Europa die starke Fragmentierung auf: Die Daten wären zwar vorhanden – in Europa gibt es mehr als 1.000 onkologische Datenbanken –, doch sind sie uneinheitlich und unstrukturiert, was eine Nutzung erschwert.

FORSCHUNGSAUFTRAG MIT EIGENER MISSION

Die zweite große EU-Initiative im Kampf gegen Krebs stellt die Krebsmission, „Mission on Cancer“, dar. Sie ist Teil des EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation „Horizont Europa“, das 2021 bis 2027 läuft. Die Krebsmission verfolgt eine Stärkung der europäischen Krebsforschung mit dem Ziel, die Zahl der Todesfälle aufgrund von Krebs in der EU bis 2030 um ein Drittel zu senken.

Im September 2020 hat das Mission Board der Krebsmission seinen finalen Bericht mit 13 Empfehlungen an die EU-Kommission übergeben, die unter anderem Folgendes vorsehen:

• Aufbau einer EU-Plattform (uncan.eu) zur Bündelung des Wissens über Krebs
• Entwicklung eines EU-weiten Forschungsprogramms zur Identifizierung polygener Risikofaktoren
• Optimierung bestehender Screeningprogramme und Entwicklung neuer Ansätze für Screening und Früherkennung
• Vorantreiben personalisierter Medizin für alle Krebspatienten in Europa
• Aufbau eines EU-weiten Forschungsprogramms für Früherkennung und minimalinvasive Behandlungstechnologien
• Entwicklung eines EU-weiten Forschungsprogramms zur Verbesserung der Lebensqualität von Krebspatienten und -überlebenden, deren Angehörigen und Pflegenden sowie aller Personen mit erhöhtem Krebsrisiko
• Schaffung eines europäischen digitalen Zentrums für Krebspatienten, in dem Patienten und Überlebende ihre Daten für eine personalisierte Versorgung hinterlegen und teilen können
• Aufbau einer Comprehensive-Cancer-Infrastruktur in bzw. zwischen EU-Mitgliedstaaten
Beschleunigung von Innovation, Implementierung innovativer Technologien und Aufbau onkologischer Living Labs

SONDERAUSSCHUSS IM EUROPÄISCHEN PARLAMENT

Auch das Europäische Parlament hat im Sommer 2020 einen Sonderausschuss für Krebsbekämpfung etabliert. Dieser soll konkrete Maßnahmen auf EU-Ebene evaluieren, die zur Prävention und Bekämpfung von Krebs beitragen können.

Letzte Aktualisierung: 19.03.2021

REFERENZEN

Europäische Kommission: Report of the Mission Board for Cancer, September 2020.

Europäische Kommission: Roadmap Europe’s Beating Cancer Plan, Ref. Ares (2020)693786 – 04/02/2020.

Europäische Kommission: Fragen und Antworten: Europäischer Plan zur Krebsbekämpfung: Wir können mehr erreichen, 4.2.2020, online unter: https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/QANDA_20_153.

Europäisches Parlament: Beschluss des Europäischen Parlaments vom 18.6.2020 über die Einsetzung, die Zuständigkeiten, die zahlenmäßige Zusammensetzung und die Mandatszeit des Sonderausschusses für die Bekämpfung von Krebs (2020/2682(RSO)).

Europäisches Parlament: Neue Sonderausschüsse für Krebs, KI und Desinformation und ständiger Unterausschuss für Steuerfragen, 19.6.2020, online unter: https://www.europarl.europa.eu/news/de/ press-room/20200615IPR81228/neue-sonderausschusse-fur-krebski- desinformation-steuerfragen.

Moll, Nathalie: Cancer care in Europe: Where are we in 2020?, 15.1.2020, online unter: https://www.efpia.eu/news-events/the-efpia-view/ blog-articles/cancer-care-in-europe-where-are-we-in-2020/.

Montouchet Calypso et al.: The oncology data landscape in Europe: report, online unter: https://www.efpia.eu/media/412192/efpiaonco- data-landscape-1-report.pdf.

The Swedish Institute for Health Economics: Comparator Report on Cancer in Europe 2019 – Disease Burden, Costs and Access to Medicines, online unter: https://ihe.se/wp-content/uploads/2020/10/IHE-Report-2019_7_.pdf.