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DIABETES UND BEWEGUNG

Die Steigerung körperlicher Aktivität ist in der Anfangsphase des Typ-2-Diabetes eine wesentliche Säule der Therapie. Aber auch in späteren Stadien verbessert Bewegung die Stoffwechselsituation und senkt so das Risiko von Folgeerkrankungen.

Darüber hinaus wirkt sportliche Bewegung sogar vorbeugend. “Studien zeigen, dass regelmäßige Bewegung bei Patienten mit einer pathologischen Glukosetoleranz – einem Vorstadium des Typ-2-Diabetes – in bis zu 60 Prozent der Fälle den Ausbruch der Krankheit verhindern kann“, sagt Dr. med. Peter Zimmer, Oberarzt an der II. Medizinischen Klinik des Klinikums Ingolstadt und Vorsitzender der Initiativgruppe Diabetes und Sport e.V. „Sport beeinflusst letztlich alle Risikofaktoren des Typ-2-Diabetikers günstig“ (siehe Interview). 

Den Muskeln Zucker geben

Durch  körperliche Bewegung wird mehr Glukose in die Muskulatur geschleust, dadurch sinkt der Blutzucker. Nach rund 30 Minuten Belastung verbrennt die Muskulatur zusätzlich auch Fett. „Auf diesem Wege wird das Lipidprofil deutlich positiv beeinflusst“, sagt Dr. Zimmer. Regelmäßige Bewegung und Sport verbessert also die Risikosituation für Gefäß- und Herz-Kreislauferkrankungen. Gleichzeitig steigt die Insulinempfindlichkeit der Muskelzellen. Dadurch führt die gleiche Insulinmenge zu einer stärkeren Blutzuckersenkung oder dieselbe Menge Zucker in der Nahrung zu einem geringeren Anstieg des Blutzuckers.

Auch die Stoffwechselleistung der Muskulatur, also die Verbrennung von Glukose und Fetten bei körperlicher Belastung, nimmt zu. Dadurch wird letztlich die Gewichtsreduktion erleichtert. Außerdem sinkt der Blutdruck.

„Die positiven Wirkungen halten bis zu 72 Stunden nach dem Training an“, erklärt Dr. Zimmer. Um dauerhaft zu profitieren, sollten Patienten deshalb mindestens dreimal pro Woche trainieren.

Bei Typ-1-Diabetikern verspricht Sport zwar keinen unmittelbaren therapeutischen Nutzen, regelmäßige Bewegung verbessert aber auch bei ihnen die körperliche Leistungsfähigkeit, das Lipidprofil, das Selbstbewusstsein und damit auch die Lebensqualität.

Fachärztliche Beratung und Schulung

Jugendliche Typ-1-Diabetiker können grundsätzlich jeden Sport ausüben. Typ-2-Diabetiker sind dagegen oft durch diabetische Folgeerkrankungen in ihrer Wahl eingeschränkt. Für sie sind vor allem dynamische Sportarten empfehlenswert wie Schwimmen, Laufen, Skilanglauf, Walken, Nordic-Walken, Golfen, Tanzen oder Wandern. Von Kraftsportarten wird meist abgeraten, vor allem wenn zusätzlich ein hoher Blutdruck vorliegt. Generell sollten Menschen mit Diabetes, die sich regelmäßig körperlich bewegen wollen, einen erfahrenen Diabetologen aufsuchen, der mögliche Risikofaktoren ausschließt. 

Notwendig ist außerdem eine ausführliche Schulung – vor allem für Diabetiker, die Insulin spritzen oder blutzuckersenkende Tabletten einnehmen. Denn um eine Hyper- oder Hypoglykämie zu verhindern, müssen sie ihre Blutzuckerwerte auf die aktuellen Belastungen einstellen – entweder indem sie ausreichend Zusatz-Kohlenhydrate zuführen oder die Insulin-Dosis entsprechend reduzieren. In speziellen Sportgruppen können vor allem Typ-2-Diabetiker ihre eigene Leistungsfähigkeit erkunden.

Datum: 06.11.2015

Letzte Aktualisierung: 22.03.2016