THERAPIEGEBIETE > Diabetes > Diabetes mellitus

DIABETISCHE NOTFÄLLE

Richtig behandelt, bedeutet die "Zuckerkrankheit" in den meisten Fällen keine wesentliche Beeinträchtigung der Lebensqualität. Dennoch werden immer wieder Diabetespatienten als Notfälle auf der Intensivstation eingeliefert.

Ursache ist entweder eine schlecht angepasste Diabetestherapie, die eine Hypoglykämie  (Unterzucker) mit Bewusstlosigkeit zur Folge haben kann. Oder es kommt zum diabetischen Koma infolge einer Hyperglykämie (erhöhter Zuckergehalt im Blut). Dies vor allem dann, wenn ein Mensch von seiner Diabeteserkrankung nichts weiß. 

Hyperglykämie: Diabetisches Koma fast ohne Vorzeichen

Wenn ein Mensch nichts von seiner Diabeteserkrankung weiß, kann es sein, dass er fast ohne Vorzeichen ins diabetische Koma infolge einer Hyperglykämie fällt. Dies kommt auch deshalb vor, weil die Früherkennung immer noch im Argen liegt. “Viel wäre schon gewonnen, wenn jeder Bundesbürger ab 35 die regelmäßigen Check-up-Untersuchungen in Anspruch nähme“, sagt Prof. Hellmut Mehnert. 

Das diabetische Koma, das vor allem anhand einer tiefen Atmung (Kußmaul-Atmung) und des obstartigen Geruchs der Atemluft (Ketoazidose) zu erkennen ist, hat seine Ursache in einer Entgleisung des gesamten Stoffwechsels, das heißt des Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißmetabolismus sowie des Wasser- und Elektrolythaushalts. Denn wenn die Nieren das Übermaß an Blutzucker nicht mehr filtern können (etwa ab 180 mg/dl), muss dieser mit dem Harn ausgeschieden werden. Häufigeres Wasserlassen ist die Folge und damit Flüssigkeitsmangel, der sich in Durst bemerkbar machen kann (aber nicht muss). Menschen mit Diabetes können ein Zehntel ihrer Körperflüssigkeit verlieren. 

Zu einer Hyperglykämie kann es auch bei als insulinpflichtig bekannten Diabetikern kommen, wenn diese nicht ausreichend Insulin erhalten (siehe Interview).

Hypoglykämie: Folge einer schlechten Zuckereinstellung

Auch wenn der Blutzuckerspiegel unter einen Schwellenwert von 40 mg/dl absinkt, muss der Patient auf die Intensivstation. Dieser Zustand ist in der Regel die Folge einer schlechten Zuckereinstellung. Eine blasse Hautfarbe, Herzklopfen, Schwitzen und Hungergefühl sind die typischen Anzeichen eines Glukosemangels. Da das Gehirn auf Zucker als ausschließliche Energiequelle angewiesen ist, kann das Verhalten gestört sein; auch können Bewusstlosigkeit oder ein Schock eintreten. Neu entwickelte Insulinanaloga, orale Antidiabetika und neue Therapieansätze werden dazu beitragen, dass die Zahl dieser Fälle abnimmt. 

Wenn ein Diabetiker bewusstlos wird, kann er also zu viel oder zu wenig Zucker im Blut haben. Äußerlich sind diese beiden Zustände nicht immer sicher zu unterscheiden. Um die richtigen Therapiemaßnahmen einleiten zu können, ist daher die Bestimmung des Blutzuckerspiegels die vordringlichste Maßnahme. 

“Fast genauso wichtig ist aber die Messung und Stabilisierung des Blutdrucks“, betont Prof. Mehnert. Wichtig ist auch, herauszufinden, welche Blutzucker senkenden Medikamente der Patient einnimmt. Bei allen Notfallpatienten ist die anschließende sorgfältige Einstellung von Blutzucker und Blutdruck erforderlich.

Herzinfarkt und andere Folgeerkrankungen

Auch andere Folgen einer Diabeteserkrankung können eine Behandlung auf der Intensivstation erforderlich machen. So treten Herzinfarkte bei Zuckerkranken zwei- bis viermal so häufig auf wie bei Nicht-Diabetikern. Zu den intensivpflichtigen Folgeerkrankungen zählen auch schwere Infektionen wie Entzündungen des Vorfußes. Hier sind vor allem die Patienten selbst gefragt: Sorgfältigere Fußpflege könnte dazu beitragen, die erschreckende Zahl von jährlich 25.000 Beinamputationen bei Diabetikern zu verringern. 

Wünschenswert wäre natürlich, diabetische Notfälle träten gar nicht erst ein. Grundvoraussetzung ist die richtige Einstellung des Blutzuckerspiegels, des Blutdrucks und - oft unterschätzt - der Blutfette. 

Intelligente Darreichungsformen der Insuline können dazu beitragen, die natürliche Basalsekretion der Bauchspeicheldrüse nachzuahmen und so die Krankheit Diabetes zu entschärfen. Schon viele Jahre sind Depotpräparate auf dem Markt, die Insulin über einen längeren Zeitraum freisetzen, zum Beispiel über Nacht. Diabetologen hoffen, dass diese Präparate dazu beitragen, dass Zuckerkranke immer seltener wegen Unterzuckerungen auf der Intensivstation behandelt werden müssen.

Datum: 06.11.2015

Letzte Aktualisierung: 22.03.2016