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METABOLISCHES SYNDROM UND DIABETES TYP 2

Viele übergewichtige Menschen leiden, ohne es zu wissen, an dem so genannten „metabolischen Syndrom“, einer Vorstufe der Diabetes Erkrankung vom Typ 2 (früher als „Altersdiabetes“ bezeichnet). Die Stoffwechselstörung betrifft mehrere Systeme: Blutzuckerspiegel, Cholesterinspiegel, Harnsäurewerte und Blutdruck sind erhöht. Weil Fettzellen nicht nur Energie-, sondern auch Hormon- und Botenstoffspeicher sind, gelangen bei adipösen Menschen aus dem stark vergrößerten Fettdepot so viele Botenstoffe in den Kreislauf, dass sie andere Körpersignale „übertönen“ können.

So produziert die Bauchspeicheldrüse womöglich genügend Insulin, doch das Hormon kann an der Oberfläche von Leber-, Muskel- und Fettzellen nicht mehr richtig wirken, weil die Rezeptoren unempfindlich werden. Die Folge: Um den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren, stellen die b-Zellen immer mehr Insulin her. Der Körper wird mit dem Hormon überschwemmt, ohne dass der Blutzuckerspiegel sinkt. Der hohe Zuckergehalt schädigt die kleinen und großen Blutgefäße.

Diese Schäden erhöhen das Risiko für weitere Erkrankungen: Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall, die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK), Wundheilungsstörungen („diabetischer Fuß“), sowie Augen- und Nierenerkrankungen. Erst wenn die Zuckerwerte im Blut dauerhaft zu hoch sind, wird ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert. Zur dauerhaften Vorbeugung solcher Komplikationen reichen blutzuckersenkende Medikamente allein oft  nicht aus. Die wichtigste Botschaft lautet: „Bewegen Sie sich!“

Die Wirkung von Ausdauertraining

Durch körperliche Bewegung schlagen Diabetiker gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Sie hilft nicht nur, das Gewicht zu reduzieren, sondern auch dauerhaft mehr Kalorien zu verbrauchen. Denn je größer die Muskelmasse ist, desto mehr Kalorien verbrennen. Darüber hinaus verbessert Ausdauertraining unabhängig von einer Gewichtsabnahme die Insulinempfindlichkeit. Weil Ausdauertraining in die Stoffwechselsituation eingreift, kann es helfen, dem Körper das vorhandene Insulin zugänglich zu machen und somit die Zuckerkrankheit ursächlich zu bekämpfen. Weil Ausdauertraining auch den Blutdruck senkt, können Diabetiker durch regelmäßige Bewegung zugleich das Risiko für gefäßbedingte Erkrankungen verringern.

In dem Buch „Bewegung als Therapie“ gibt die Wiener Internistin und Langstreckenläuferin Dagmar Rabensteiner folgende Empfehlung: „Die erfreuliche Botschaft für Bewegungsverweigerer lautet: Bereits 30 Minuten moderate Bewegung an den meisten Tagen der Woche oder 150 Minuten wöchentlicher Trainingszeit im wirksamen Bereich verringern das Diabetesrisiko deutlich.“ Allein der Wechsel von einem bewegungslosen zu einem aktiven Lebensstil reduziere das Erkrankungsrisiko um 30 bis 50 Prozent. In Hochrisikogruppen ist die wirkungsvollste vorbeugende Maßnahme gegen Diabetes vom Typ 2 eine Ernährungsumstellung in Kombination mit regelmäßigem Körpertraining.

Die Wirkung von Krafttraining

Erst seit wenigen Jahren ist bekannt, dass auch Krafttraining für Diabetiker sinnvoll ist. Es gibt keine Hinweise auf Komplikationen durch akuten Blutdruckanstieg. Ebenso wie Ausdauertraining fördert Krafttraining die Bildung von bestimmten Proteinen, die für den Glukosetransport zuständig sind und in den Muskelzellen gebildet werden. In kontrollierten Studien konnten Wissenschaftler nachweisen, dass Krafttraining den Blutdruck und die Blutfette deutlich senkt. Die blutzuckersenkende Wirkung war sogar stärker als beim Ausdauertraining.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und die American Diabetes Association (ADA) empfehlen Krafttraining mit elastischen Bändern, Geräten oder leichten Hanteln an mindestens drei Tagen pro Woche. Trainiert werden sollen, zunächst unter Anleitung, alle großen Muskelgruppen mit einer Belastung von 70 bis 80 Prozent der Maximalbelastung. Patienten unter Insulintherapie oder Diabetesmedikamenten, bei denen die Gefahr des Unterzuckers besteht, sollten mindesten jeden zweiten Tag üben, da die akute Wirkung des Trainings auf die Insulinaufnahme nach 48 Stunden nachlässt. Ziel des Trainings sind drei Durchgänge mit je acht bis 10 Wiederholungen.

Eine Analyse von 29 Studien über den Einfluss körperlicher Aktivität auf den Blutzucker ergab, dass die Kombination von Kraft- und Ausdauertraining am effektivsten ist.

Nur nach Absprache mit dem Arzt

Bevor man in Eigenregie ein Sportprogramm angeht, ist eine Absprache mit dem Arzt nötig. Dieser muss mit dem Patienten klären, welche Diabeteserkrankung vorliegt, wie der Blutzucker eingestellt ist, ob bereits Spätschäden aufgetreten sind, ob Kontraindikationen vorliegen und worauf der Patient achten muss. Manche Diabetiker leiden unter einer koronaren Herzkrankheit. In diesen Fällen muss man Überlastungen vermeiden, da die Durchblutungsstörungen nicht mit Schmerzen einhergehen.

Risikofaktoren für Diabetes sind bauchbetontes Übergewicht, familiäre Häufungen von Diabetes oder Anzeichen des metabolischen Syndroms (Bluthochdruck, frühzeitige Gefäßverkalkung mit Schlaganfall oder Herzinfarkt), sowie Störungen des Fettstoffwechsels.

Datum: 06.11.2015

Letzte Aktualisierung: 22.03.2016