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PRÄDIABETES UND BLUTHOCHDRUCK

Prädiabetes ist eine beginnende Stoffwechselstörung, die durch Insulinresistenz und gestörte Glukosetoleranz gekennzeichnet ist. Bei vielen Prädiabetikern kommt ein erhöhter Blutdruck hinzu.

Weil der Zustand des Prädiabetes aber (noch) nicht als krankhaft eingestuft wird und überdies weit verbreitet ist, wird er von Patienten und Ärzten nicht selten ignoriert. Doch gerade in diesem Stadium wäre es wichtig, die Weichen richtig zu stellen, damit sich kein manifester Diabetes mellitus ausbildet. Neben der Einflussnahme auf den Lebensstil (Ernährung, Körpergewicht, Bewegung) kann dabei auch eine medikamentöse Senkung des Blutdrucks sinnvoll sein. Nach der Leitlinie der Weltgesundheitsorganisation ist ein Wert von 130/80 mm Hg anzustreben. 

"Ein Stadium, das dem Ausbruch eines Diabetes mellitus um Jahre vorausgehen kann" - so ist der Begriff Prädiabetes im Medizinlexikon definiert. Weiß man also erst als Diabetiker, dass man zuvor “Prädiabetiker“ war? 

Für die meisten Patienten trifft das zu, aber es müsste nicht so sein. Denn es gibt eine klare diagnostische Abgrenzung des Prädiabetes: Nüchtern-Plasmaglukose von 110 bis 125 mg/dl oder 2-Stunden-Wert nach oraler Glukosebelastung zwischen 140 und 199 mg/dl. Obwohl sich hier eine beginnende Insulinresistenz und gestörte Glukosetoleranz andeuten, werden diese Werte häufig als “noch normal“ angesehen. Deshalb wird um sie auch nicht unbedingt viel Aufhebens gemacht, wenn sie einem Patienten festgestellt werden, zum Beispiel bei der Krankenhausaufnahme. 

Und wenn jemand (selten genug) zu einem Routinecheck in die Hausarztpraxis kommt, gilt der Prädiabetes mitunter sogar als “Kavaliersdelikt“, sagt Prof. Dr. med. Walter Zidek (siehe Interview). 

Das wäre nicht weiter schlimm, wenn der Prädiabetes, die Grauzone zwischen einem gesunden Stoffwechsel und dem krankhaften Diabetes mellitus, ohne Folgen bliebe. Doch das ist keineswegs der Fall.

Erstens entwickelt sich aus einem Prädiabetes häufig ein manifester Typ-2-Diabetes. Die Chance zur Normalisierung der Stoffwechselsituation ist allerdings bei Prädiabetikern viel höher als zu einem Zeitpunkt, zu dem sich bereits eine Diabeteserkrankung etabliert hat. Es ist wichtig, dieser Entgleisung des Stoffwechsels schon zu einem möglichst frühen Zeitpunkt vorzubeugen. Nur so lassen sich die zahlreichen Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus wirksam verhindern.    

Zweitens ist der Prädiabetes meist keine isolierte Erscheinung, sondern in das so genannte metabolische Syndrom eingebettet. Diese Schieflage des Stoffwechsels tritt in unserer Bevölkerung immer häufiger auf, denn unser Körper ist auf die Kombination von Nahrungsüberfluss und Bewegungsmangel nicht eingestellt.

Das metabolische Syndrom ist gekennzeichnet durch:

  • Übergewicht bzw. abdominelle Fettsucht
  • Bluthochdruck 
  • Dyslipoproteinämie
  • häufig Hyperurikämie
  • sowie durch die erhöhte Insulinresistenz und die gestörte Glukosetoleranz des Prädiabetes,       

Wobei nicht immer alle genannten Symptome gleichzeitig zu beobachten sind. Doch jedes für sich birgt bereits ein erhöhtes Risiko für spätere kardiovaskuläre Erkrankungen. “Dabei addieren sich die Risikofaktoren nicht einfach, sondern sie multiplizieren sich“, hebt Prof. Dr. med. Walter Zidek hervor. Für den Blutdruck ist das kardiovaskuläre Risiko schon seit längerer Zeit bekannt.

Drittens ist auch der Zustand des Prädiabetes selbst mit einem erhöhten Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko verbunden. So konnte in der Nurses Health-Studie mit 120.000 Teilnehmerinnen (1976 bis 1996), gezeigt werden, dass das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bei Prädiabetikerinnen deutlich erhöht ist. Dabei war das Risiko mit der Dauer der prädiabetischen Phase korreliert: Schon 15 Jahre vor der Manifestation des Diabetes war es 2,4 Mal so hoch wie bei völlig gesunden Probandinnen. Vergingen bis zum Ausbruch eines Diabetes nur noch 10 Jahre, stieg das Risiko auf das 3,6-fache. Zudem wirkt der Zustand des Prädiabetes selbst blutdrucksteigernd – direkt durch den gestörten Natriumhaushalt und indirekt durch Effekte auf die Gefäße.

Prädiabetiker sind diesem vermeintlichen Schicksal allerdings nicht unerbittlich ausgeliefert. Ein Prädiabetiker erkrankt nicht zwangsläufig irgendwann an Diabetes mellitus, und auch die Koronarereignisse sind nicht unabwendbar. Voraussetzung ist allerdings, dass Prädiabetes und erhöhter Blutdruck frühzeitig erkannt und behandelt werden. 

Eine Behandlung muss dabei zunächst nicht unbedingt medikamentös erfolgen.Mehrere Studien haben gezeigt, dass durch ausreichend Bewegung die Glukosetoleranz erheblich verbessert werden kann. Sogar Menschen mit Diabetes im Anfangsstadium erreichten teilweise wieder normale Blutzuckerwerte, wenn sie an fünf Tagen pro Woche 40 bis 60 Minuten Ausdauersport (z.B. Jogging) betreiben. Stunden langes Fernsehen erhöht dagegen das Diabetesrisiko erheblich.

Wesentlich ist auch eine bewusste Ernährung - “mit wenig Kochsalz, wenig cholesterinreichen Fetten, wenig leicht aufschließbaren Zuckern und vielen Schlacken- und Ballaststoffen“, fasst Prof. Zidek zusammen. 

Wenn mit diesen Maßnahmen kein Blutdruckwert von 130/80 mm Hg eingestellt werden kann, sollten frühzeitig unterstützende Blutdruck senkende Medikamente eingesetzt werden (siehe Herz-Kreislauferkrankungen: Bluthochdruck).

 

Datum: 06.11.2015

Letzte Aktualisierung: 22.03.2016