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HERZINFARKT - HINTERGRUND UND BEHANDLUNG

Zu einem Herzinfarkt kommt es bei einem akuten Verschluss einer Herzkranzarterie. Mit 30 Prozent stellt die koronare Herzkrankheit in allen Industrieländern die häufigste Todesursache dar.

Bei Männern beginnt die koronare Herzkrankheit, die dem Herzinfarkt vorausgeht, in der Regel früher als bei Frauen: Die Zahl der Fälle steigt deutlich ab dem 45. Lebensjahr. Bei Frauen hingegen setzt dieser Anstieg erst um das 60. Lebensjahr ein und gleicht sich dann der Erkrankungshäufigkeit bei Männern an.

Was beim Herzinfarkt passiert

Bei akutem Verschluss einer Kranzarterie stirbt das von ihr versorgte Gewebe ab, vorausgesetzt, es gibt keinen Umgehungskreislauf. Bei kleineren Infarkten ist nur ein kleines Gebiet und (oder) ein Teil des Muskelquerschnitts betroffen, bei größeren Infarkten dehnt sich der Infarkt auf den gesamten Wandquerschnitt und (oder) ein größeres Gebiet aus.

Mediziner unterscheiden Vorder-, Seiten- und Hinterwandinfarkte. Besonders gefährlich sind Infarkte, die auch das Reizleitungssystem betreffen, denn dann versagt nicht nur der entsprechende Muskelanteil, dessen Part in der Pumpfunktion ausfällt: In diesem Fall kann es zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen bis hin zum plötzlichen Herztod durch so genanntes Kammerflimmern kommen – ein schnelles, aber wirkungsloses Zusammenziehen der Herzkammer.

Der Herzinfarkt ist eine Folge der Atherothrombose, worunter der plötzliche Verschluss eines Blutgefäßes durch einen Blutpropf (Thrombus) zu verstehen ist. Der Thrombus wiederum entsteht durch eine Ansammlung von Blutplättchen (Thrombozyten) an der vorgeschädigten Gefäßwand. Diese Schädigung der Gefäßwand wird als Atherosklerose (auch “Gefäßverkalkung“) bezeichnet.

Verstärkt durch bestimmte Risikofaktoren kommt es zur Einlagerung von Fetten und Kalk in die Gefäßwand, zu sogenannten Plaques. Dadurch begünstigt wird die Gefäßwand geschädigt und aufgerauht, so dass sich insbesondere Blutplättchen (Thrombozyten) anlagern und einen Plättchenpropf bilden können. Die Folgen sind schwerwiegend: Der Plättchenpropf unterbricht die Blutversorgung des dahinter liegenden Gewebes. Prinzipiell können diese Prozesse überall in unserem arteriellen Gefäßsystem auftreten und so Erkrankungen verschiedener Organe verursachen.

Rund ein Drittel aller Herzinfarkte endet tödlich – oftmals, weil sie von Herzrhythmusstörungen begleitet werden. Wenn ein größeres Muskelareal oder gar eine Herzklappe vom Infarkt betroffen ist, kann die Pumpfunktion unkontrolliert verlaufen oder ganz versagen.

Risikofaktoren früher erkennen

Würden die Risikofaktoren früher erkannt und behandelt, ließe sich die Zahl der Herzinfarkte senken. So bleibt etwa ein hoher Blutdruck, der erwiesenermaßen ein großer Gefahrenpunkt ist, bei 50 Prozent der Herzkranken unentdeckt. Hinzu kommt: Selbst wenn der Hochdruck bekannt ist und medikamentös behandelt wird, ist er nur bei 30-40 % der Patienten optimal eingestellt. Dieser wichtige Risikofaktor wird somit nur bei rund einem Viertel der Patienten wirklich zufrieden stellend ausgeschaltet.

In manchen Fällen ist die Therapie des Bluthochdrucks deswegen recht erfolglos, weil der Patient nicht kooperiert: So kommt es vor, dass Herzkranke ihre Medikamente unregelmäßig oder gar nicht einnehmen. Oft sind Patienten auch nicht bereit, ihre Lebensgewohnheiten umzustellen und auf Risikofaktoren wie Rauchen und fette Speisen zu verzichten. Mediziner haben für die mangelnde Mitarbeit des Patienten einen Fachbegriff: Sie sprechen von mangelnder “Compliance“.

Wie die koronare Herzerkrankung genau verläuft, ist abhängig vom Ausmaß der Gefäßschäden, der Zahl der verengten Herzkranzgefäße und dem Schweregrad der Krankheitszeichen. In etwa der Hälfte aller Fälle wird die Erkrankung erst entdeckt, wenn es bereits zum Herzinfarkt gekommen ist.

Es ist jedoch auch möglich, dass die koronare Herzerkrankung über Jahre mit gleichbleibenden Krankheitszeichen bestehen bleibt. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn in Ruhe und bei mäßiger körperlicher Belastung die Durchblutung des Herzmuskels gewährleistet ist und Brustenge (Angina pectoris) – ein typisches Symptom für die koronare Herzerkrankung – nur in körperlich anstrengenden Situationen auftritt.

Behandlung mit Medikamenten

Für die Therapie der koronaren Herzkrankheit stehen eine ganze Reihe von Medikamenten zur Verfügung, die alle ganz unterschiedlich wirken. Was der Arzt empfiehlt, ist auch vom Schweregrad der Beschwerden abhängig. Leidet der Patient noch unter weiteren Erkrankungen – etwa an der Niere – wird dies ebenfalls die Wahl des Medikaments beeinflussen.

Die medikamentöse Behandlung ist aber nur sinnvoll, wenn der Patient seinen Lebenswandel ändert und alle Risikofaktoren ausschließt, auf die er Einfluss hat. So sollte er das Rauchen aufgeben, sein Gewicht normalisieren und cholesterinarme Kost essen. Zudem muss er lernen, wie er künftig Stresssituationen besser bewältigt. Sofern sein Zustand stabil ist, ist auch Ausdauertraining angezeigt.

Plättchenhemmer wirken gegen Gerinnsel

Zur Vorbeugung eines Herzinfarkts eignen sich Plättchenhemmer. Denn ein wesentlicher Risikofaktor bei der koronaren Herzkrankheit ist die gesteigerte Verklebung der Blutplättchen an den Gefäßabschnitten, die von Arteriosklerose befallen sind. Diese kann nämlich dazu führen, dass sich ein Gerinnsel (Thrombus) bildet, das zu einem Herzinfarkt führt. Gerinnungshemmer oder Plättchenhemmer können diesem Prozess entgegenwirken.

Beta-Blocker entlasten das Herz

Beta-Blocker hemmen die Signalübertragung des “Aktivitätsnervs“ Sympathikus an Herz und Gefäßen. Dadurch schlägt das Herz langsamer und weniger kraftvoll, folglich benötigt es weniger Sauerstoff. Dieses Medikament hat große Vorteile, denn es reduziert das Risiko von Herz-Rhythmusstörungen und Herzinfarkt. Den Blutdruck senken Beta-Blocker ebenfalls.

Patienten dürfen Beta-Blocker nicht eigenmächtig absetzen, denn der Körper gewöhnt sich in gewissem Maß an die Rezeptorenblockade und reguliert dagegen. Fällt nun plötzlich die Wirkung des Beta-Blockers weg, überwiegt die ausgleichende Gegenregulation (Kompensation). Der Blutdruck steigt folglich überproportional an.

ACE-Hemmer verhindern die Engstellung

Neben Beta-Blockern und Gerinnungshemmern werden heute sehr häufig ACE-Hemmer in der Therapie des hohen Blutdrucks und der koronaren Herzkrankheit eingesetzt. Sie verhindern die Engstellung der Arterien und damit einen Blutdruckanstieg, entlasten das Herz und verhindern die Verfettung der Gefäße. Somit senken sie auch das Herzinfarktrisiko.

Statine beugen Arteriosklerose vor

Statine – auch CSE-Hemmer genannt – setzen an einem anderen Punkt an: Sie hemmen den Aufbau von Cholesterin in der Leber und verringern somit den Fetteinbau in der Gefäßwand. Sie beugen also einem Fortschreiten der Arteriosklerose vor. Zudem haben diese Medikamente eine entzündungshemmende Wirkung.

Kalzium-Antagonisten gegen Gefäßkrämpfe

Kalzium-Antagonisten (Kalzium-Gegenspieler) wiederum senken die Herzkraft und erweitern die Herzkranzgefäße. Dabei handelt es sich nicht um eine aktive Erweiterung, sondern um die Entspannung eines zu stark verengten Zustands.

Kalzium-Gegenspieler helfen besonders gut bei Angina pectoris, die vorrangig auf Gefäßkrämpfen in den Koronarien und weniger auf einer Verkalkung (Arteriosklerose) beruht. Denn der Mineralstoff Kalzium bewirkt, dass sich die Muskelfaser zusammenzieht. Gerade dies aber verhindern die Kalzium-Antagonisten.

Bei einem akuten Herzinfarkt

Die meisten der genannten Medikamente kommen auch bei einem Herzinfarkt zum Einsatz: In diesem Fall wird der Arzt zuerst die Schmerzen mit Nitroglyzerin, Schmerz- und eventuell auch mit Beruhigungsmitteln bekämpfen. Gerinnungshemmende Medikamente, Beta-Blocker und ACE-Hemmer senken die Todesgefahr gerade im Anfangsstadium des Infarkts. Kalzium-Antagonisten oder andere Blutdruck senkende Mittel erhält der Patient bei hohem Blutdruck, bei Herzrhythmusstörungen Antiarrhythmika.

Um die Durchblutung wiederherzustellen, kann der Arzt innerhalb der ersten sechs Stunden nach dem Herzinfarkt eine Lysetherapie beginnen. Das bedeutet, der Arzt verabreicht Medikamente, die das Blutgerinnsel (Thrombus) auflösen, das den Gefäßverschluss verursacht hat.

Therapie durch Operation

Die koronare Herzerkrankung wird normalerweise medikamentös behandelt. Doch in einigen Fällen – etwa bei großer Herzinfarkt-Gefahr – kann es angezeigt sein, mittels Operation zur Gefäßverengung vorzudringen. So lassen sich die Ablagerungen direkt beseitigen. Ein derartiger Eingriff ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn auch die Risikofaktoren behandelt werden. Über einen Katheter lassen sich die Herzgefäße weiten.

Zu der verengten Herzkranzarterie kann der Arzt mit einem dünnen Schlauch (Katheter) vordringen, der etwa von der Leistenbeuge aus über Röntgenkontrolle in eine Schlagader eingeführt wird. Bei dem so genannten PTCA-Verfahren (perkutane transluminale Koronar-Angioplastie) wird durch diesen Katheter das arteriosklerotische Gefäß geweitet: etwa durch einen Ballon (Ballondilatation), der die Plaque eng an die Gefäßwand drückt und dafür sorgt, dass das Blut an dieser Stelle wieder fließen kann.

Stent als Stütze

Der Herzspezialist kann aber auch eine Gefäßstütze (Stent) einsetzen. Ein Stent ist ein kleines, flexibles Drahtgeflecht, welches mit einem Ballonkatheter in die Gefäßverengung eingesetzt wird. Durch Aufblasen des Ballons wird der Stent ausgeweitet und verbleibt in diesem Zustand als Stütze, die das Blutgefäß dauerhaft offen halten soll.

Manchmal bohrt der Arzt die Verengung auch mit einer Miniatur-Fräse auf (Rotablation). Die Verkalkung lässt sich zudem mit Laserstrahlen oder Ultraschall beseitigen. Welches der vier Verfahren sinnvoll ist, hängt vom individuellen Befund ab.

Bypass: Das kranke Gefäß ersetzen

Wenn der Hauptstamm oder große Kranzgefäße betroffen sind und das Risiko besteht, dass ein großer Herzmuskelbezirk durch einen Infarkt ausfällt, raten Mediziner meist zu einer Bypass-Operation. Bei einem Bypass werden verengte Gefäßabschnitte durch gesunde, durchgängige Blutgefäße überbrückt.

Für diese Überbrückung entnehmen Ärzte vorzugsweise eine Arterie aus dem Unterarm oder ein Teil der Brustbein-Arterie. In 90 Prozent aller Bypässe, für die eine Arterie verwendet wird, verstopfen die Adern innerhalb der nächsten 15 Jahre nicht wieder.

Nach einer Bypass-Operation muss der Patient über lange Zeiträume gerinnungshemmende Medikamente einnehmen.

Datum: 06.11.2015

Letzte Aktualisierung: 22.03.2016