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RISIKOFAKTOREN

Ein Herzinfarkt taucht meist nicht aus heiterem Himmel auf. Viele Herzinfarkt-Patienten weisen eine ganze Reihe von Risikofaktoren auf, die sich rechtzeitig erkennen und von denen sich viele beeinflussen lassen. Manche Risiken liegen im Alltag verborgen - zum Beispiel im Straßenverkehr und in der Partnerbeziehung.

Fast jeder dritte Patient mit einer unerkannten koronaren Herzkrankheit stirbt am Herzinfarkt. Die American Heart Association (AHA) hat deshalb im Jahr 2000 Richtlinien für die primäre Prävention erarbeitet: Sie sollen Ärzten helfen, Patienten mit einem Herzinfarkt-Risiko zu identifizieren.

Bei der primären Prävention geht es darum, einen Herzinfarkt von vornherein zu verhindern. Als sekundäre Prävention bezeichnen Mediziner hingegen Vorkehrungen, die nach einem Herzinfarkt einsetzen, um chronisch Herzkranke vor weiteren Belastungen zu schützen. Grundlage der sekundären Prävention ist ein gesunder Lebensstil - oftmals begleitet von einer medikamentösen Therapie.

Die Richtlinien enthalten zudem Diagnostik- und Therapieempfehlungen sowie ein Schema, das Patienten in drei Risikoklassen unterteilt. Auch sind in den AHA-Richtlinien diejenigen Faktoren aufgelistet, die die koronare Herzkrankheit begünstigen und die die Allgemeinärzte bei allen ihren Patienten im Blick behalten sollten.

Diese Risikofaktoren sind:
• Rauchen
• Adipositas (krankhaftes Übergewicht)
• erhöhter Blutdruck
• erhöhtes Gesamtcholesterin
• Durchblutungsstörungen der Beine
• familiäre Belastung
• Wechseljahre
• Diabetes
• Schlaganfall
• Aortenaneurysma (Gefäßwanderweiterung der Hauptschlagadern)

Wenn nur ein Faktor erhöht ist, steigt das Risiko eines Herzinfarktes um das Zwei- bis Dreifache. Bei besonders ungünstigen Konstellationen kann das Risiko auch auf das Acht- bis Zehnfache ansteigen.

Wenn mindestens drei Risikofaktoren zusammenkommen, spricht die AHA von einem hohen Herz-Kreislauf-Risiko. Für diese Patienten empfiehlt es sich, alle Risikofaktoren, auf die sie Einfluss haben - wie Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel -, auszuschalten. Eventuell ist auch eine medikamentöse Therapie notwendig: etwa mit Statinen, um den Fettspiegel zu senken, oder einem gerinnungshemmenden Medikament, das die Fließeigenschaft des Blutes verbessert.

Finden sich ein oder zwei Risikofaktoren, spricht die AHA von einem mittleren Herz-Kreislauf-Risiko. Für eine Frau etwa, die raucht und sich in den Wechseljahren befindet, empfiehlt sich deshalb auch ein Arztbesuch. Denn der Allgemeinmediziner kann feststellen, ob sie noch weitere Risikofaktoren wie erhöhtes Gesamtcholesterin oder Bluthochdruck hat. Zeigt zum Beispiel das Ultraschall arteriosklerotische Halsgefäße, wird ihr der Arzt in jedem Fall dazu raten, das Rauchen aufzugeben.

Herzinfarkt und Arbeit

Häufig wird der Herzinfarkt (besonders bei Männern) mit Stress am Arbeitsplatz assoziiert. Herzinfarkt als typische Managerkrankheit? Dieses weit verbreitete Vorurteil ist nach den Erkenntnissen einer Forschergruppe an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf nicht länger haltbar. Vielmehr liegt heute das Infarktrisiko in sozial benachteiligten Schichten deutlich über dem der übrigen Bevölkerung.

Die Ursachen dafür sind nicht in erster Linie in Begleitumständen wie Lärm, Schmutz oder zu langem Stehen am Arbeitsplatz zu suchen, sondern in der Stressbelastung, erklärt Prof. Johannes Siegrist, Leiter des Instituts für Medizinische Soziologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Er steht seit mehreren Jahren dem Forschungsnetzwerk “Soziale Ungleichheit von Gesundheit und Krankheit in Europa“ vor und leitet eine seit sechs Jahren laufende Studie zum Gesundheitszustand von 4.800 Erwachsenen. Unter Stressbelastung sei nicht ein bisweilen hektischer Alltag zu verstehen, sondern zum Beispiel eine langfristig starke Arbeitsbelastung unter unsicheren Rahmenbedingungen. Ebenso beeinflussten begrenzte Aufstiegschancen oder fehlende Anerkennung das Stressempfinden und damit das Infarktrisiko.

Für Menschen mit einem deutlichen Arbeitsstress verdoppelt sich das Risiko für einen Herzinfarkt, so die Ergebnisse der Düsseldorfer Sozialmediziner. In Zahlen ausgedrückt: Es erkranken oder versterben innerhalb von zehn Jahren etwa sechs Prozent der Männer aus unteren sozialen Schichten im Alter zwischen 40 und 65 Jahren an einem Herzinfarkt, hingegen nur drei Prozent ihrer Altersgenossen in Führungspositionen. Die Vorstellung vom Herzinfarkt als typischer Managerkrankheit habe vor 30 oder 40 Jahren durchaus Gültigkeit gehabt. Aufgrund der gestiegenen Arbeitsplatzunsicherheit, verbunden mit einem wenig gesundheitsbewussten Lebensstil, sei mittlerweile aber das Infarktrisiko der Arbeiter drastisch gestiegen.

Stress im Straßenverkehr

Viele Risiken liegen im Alltag begründet und werden als solche nicht wahrgenommen. So können zum Beispiel der Stress im Straßenverkehr und Staus in der Ferienzeit Auslöser für einen Herzinfarkt sein.

In einer Studie des Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit (GSF) konnte dokumentiert werden, dass Menschen im Stau dreimal anfälliger für Herzinfarkte sind, als Menschen im flüssigen Straßenverkehr. Denn der Stress im Stau kann dem Herzen stark zusetzen. Aber nicht nur Menschen, die selbst fahren, sind von diesem erhöhten Risiko für Herzinfarkte betroffen. Auch bei Verzögerungen in der Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus oder Bahn kann der Blutdruck bedrohlich ansteigen.

Im Falle eines Herzinfarktes muss umgehend gehandelt werden. Bei einem Herzinfarkt auf der Autobahn können die Rettungssanitäter schnell vor Ort sein und sich bemühen, den Schaden am Herz weitmöglichst einzudämmen. Vor Ort können Medikamente eingesetzt werden, die verschlossene Gefäße wieder befreien können und so die Durchblutung des Herzens sicherstellen.

Besser ist jedoch die Vermeidung von derartigem Stress durch eine gute Urlaubsplanung. Damit Sie erst gar nicht in den Stau kommen, sollten Sie Ihre Reise in den frühen Morgenstunden oder zum Ferien-Ende antreten. Wenn sich der Stau nicht vermeiden lässt, dann können Entspannungsübungen helfen, um Stress im Keim zu ersticken.

Ehestreit als Auslöser

Ein weiterer Auslöser für einen Herzinfarkt kann in der Partnerbeziehung begründet sein. Streiten sich Ehefrauen und Ehemänner, so erhöht sich das Risiko für eine Herzerkrankung. Während Frauen vor allem durch feindseliges Verhalten, welches sie oder ihr Partner innerhalb eines ehelichen Streits zum Ausdruck bringen, gefährdet werden, leiden Männer primär unter Dominanz - sowohl unter der eigenen als auch unter der ihres Partners. Zu diesem Schluss kam ein Team von Psychologen um Professor Tim Smith von der Universität in Utah, USA.

Die Forscher untersuchten 150 verheiratete Paare, bei denen einer der Partner zwischen 60 und 70 Jahre alt und der andere nicht mehr als fünf Jahre älter oder jünger sein durfte. Die Teilnehmer der Studie hatten keine kardiovaskulären Erkrankungen in der Vorgeschichte und nahmen keine Herz-Kreislauf-Medikamente ein.

In der drei Jahre dauernden Untersuchung forderten die Wissenschaftler die Paare dazu auf, sich ein Thema auszusuchen - sei es Geld, Schwiegereltern, Kinder, Urlaub oder Haushalt - das in ihrer Ehe zu Meinungsverschiedenheiten führt. Sie mussten dann sechs Minuten lang über dieses Thema diskutieren und wurden währenddessen auf Video aufgezeichnet.

Anschließend wurden die Äußerungen der Paare danach beurteilt, ob sie freundlich oder feindselig, unterordnend oder dominierend waren. Die Wissenschaftler gingen davon aus, dass das Verhalten der untersuchten Paare während der aufgezeichneten Auseinandersetzung das ständige Verhaltensmuster wieder spiegelt, obschon in abgemilderter Form.

Zwei Tage nach der Diskussion mussten sich die Probanden einer Computertomographie des Thorax unterziehen. Dabei wurde das Vorliegen und das Ausmaß einer Verkalkung der Herzkranzgefäße (Koronararteriosklerose) als Risikofaktor für einen Herzinfarkt beurteilt.

Die Auswertung der Studie ergab folgende Ergebnisse:

• Je feindseliger eine Frau und/oder ihr Partner waren, desto höher das Risiko der Arteriosklerose für sie.
• Je dominanter ein Mann und/oder ihr Partner waren, desto höher das Risiko der Arteriosklerose für ihn.

Frühere Untersuchungen zeigen, dass sich eine bestehende Beziehung im Hinblick auf Herzerkrankungen risikomindernd auswirkt. Die neue Studie zeigt nun, dass dabei jedoch auch die Qualität der Beziehung eine Rolle spielt. Darüber hinaus unterstreichen die Psychologen, dass für Frauen und Männer unterschiedliche Parameter - Feindseligkeit bzw. Dominanz - für die Qualität einer Beziehung maßgeblich sind.

Die Risikofaktoren für das Herz sind vielfältig. Um sich so gut es geht zu schützen, wird von ärztlicher Seite empfohlen, nicht zu rauchen, sich ausreichend zu bewegen und sich vernünftig zu ernähren. Und offensichtlich auch, so Studienleiter Smith, seinen Beziehungen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Datum: 06.11.2015

Letzte Aktualisierung: 22.03.2016