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THERAPIE DES MAMMAKARZINOMS

Brustkrebs ist heilbar wenn er früh erkannt wird. Das heißt, wenn sich noch keine Tochtergeschwulste (so genannte Metastasen) gebildet haben. Die Diagnose ist die Grundlage einer qualitativ hochwertigen und individuell maßgeschneiderten Therapie.

Das metastasierte Mammakarzinom dagegen gilt nach wie vor als nicht heilbar. Durch die systemische Therapie kann jedoch zumindest das tumorfreie Intervall verlängert und die Überlebenszeit positiv beeinflusst werden. Die durchschnittliche Überlebenszeit solcher Patientinnen ist dabei großen Schwankungen unterlegen. Prinzipiell scheinen Frauen mit hormonempfindlichen Tumoren bessere Prognosen zu haben als solche mit hormonunempfindlichen Tumoren.

Für die Therapie empfiehlt sich die Betreuung durch ein spezialisiertes Behandlungszentrum. Durch die Studiennähe orientieren sich Diagnostik und Behandlung dort an den neuesten Standards und auch die für die individuelle Therapieplanung nötige interdisziplinäre Zusammenarbeit findet hier gute Voraussetzungen.

Überwiegend brusterhaltende Operation

Die Tumorexzision gilt beim Mammakarzinom als Standard. In welchem Ausmaß der operative Eingriff stattfindet, hängt in erster Linie vom diagnostischen und histopathologischen Befund ab, natürlich aber auch vom Wunsch der Patientin. Dabei bieten sich prinzipiell drei Vorgehensweisen an:

  • Die brusterhaltende Therapie, d.h. die Tumorexzision gegebenenfalls in Kombination mit plastisch chirurgischen Eingriffen, Axilladissektion (Entfernen der Lymphknoten in der Achsel) und Strahlentherapie. Ihr Erfolg hängt von der richtigen Indikationsstellung, von der operativen Erfahrung und der engen Kooperation der Operateure mit Pathologen und Radiologen ab.
  • Die modifiziert radikale Mastektomie (operative Entfernung der Brust).
  • Die modifiziert radikale Mastektomie mit simultanem oder späteren Wiederaufbau der Brust.

Obwohl sich die brusterhaltende Therapie beim kleinen Mammakarzinom weltweit zum Standardverfahren entwickelt hat und die Indikationen zunehmend weiter gestellt werden, bleibt bei 30 Prozent der betroffenen Frauen die modifiziert radikale Mastektomie noch immer die Therapie der Wahl.

Radioonkologische Behandlung

Durch die postoperative Radiotherapie (Strahlentherapie) wird sowohl nach brusterhaltender als auch nach ablativer Chirurgie (operative Entfernung) die Rückfallrate auf etwa ein Drittel gesenkt.

Neben der lokalen Tumorkontrolle zielt die Strahlentherapie darauf ab, die Vermehrung und Absiedlung der Tumorzellen zu verhindern. Die Verlängerung der Überlebenszeit durch die Strahlentherapie ist durch Studien bewiesen.

Primär systemische Therapie

Die primär systemische Therapie (PST) bezeichnet alle medikamentösen Therapieformen, die nach der histologischen Diagnose eines Mammakarzinoms und vor der Durchführung der operativen Maßnahmen verabreicht werden. Synonym werden die Begriffe "neoadjuvante", "präoperative" oder "Induktions-Therapie" verwendet.

Seit vielen Jahren ist die PST bei der Behandlung des fortgeschrittenen Mammakarzinoms die Therapie der Wahl, um nach der medikamentösen Tumorreduktion das bösartige Gewebe bei der OP möglichst vollständig zu entfernen. Die PST verbessert dabei nicht nur die Operierbarkeit, es gibt Patientinnen, die sehr gut auf die PST ansprechen. In diesen Fällen ist der Tumor nach der PST komplett verschwunden (wird in Fachkreisen auch „pathologische Komplettremission" genannt), so dass die Patientinnen gute Prognosen bezüglich krankheitsfreien Intervall und Gesamtüberleben aufweisen.

Weil durch die PST primär inoperable Tumore in operable überführt werden, erhöhen sich dadurch auch die Chancen auf eine brusterhaltende Operation. Ferner erlaubt die PST ein erstes Abschätzen der Prognose in Abhängigkeit davon, wie der Tumor auf diese ersten Maßnahmen anspricht.

Adjuvante Chemotherapie

Die adjuvante Systemtherapie versucht, „unterstützend" (= adjuvant) zur Operation und Strahlentherapie, vermutete Tumorreste und vor allem unentdeckte kleine Tochtergeschwülste (Mikrometastasen) zu reduzieren bzw. möglichst zu eliminieren.

Die Frage der Indikation ist dabei fast nie klar zu beantworten. Beim Mammakarzinom liegt eine besondere Problematik in der individualisierten Therapieführung, weil die Krankheitsverläufe extrem unterschiedlich sind. Selbst kleine Tumore können im Verlauf metastasieren, während manche lokal fortgeschrittene Karzinome nie zu Absiedelungen des Tumors in entferntem Gewebe führen.

Dies bedeutet, dass mit einer adjuvanten Therapie immer auch Patientinnen "unnötig" behandelt werden. Dieses Problem ist umso größer, je geringer das individuelle Risiko, da Therapienebenwirkungen und eventuelle Langzeitfolgen damit stärker ins Gewicht fallen.

Endokrine adjuvante Therapie

Der Nutzen einer adjuvanten endokrinen (hormonellen) Therapie ist bei Patientinnen mit positivem Östrogenrezeptorstatus unumstritten und wird oft kombiniert mit einer zusätzlich verabreichten Chemotherapie. Die Therapie wird bislang hauptsächlich mit einem Antiöstrogen oder Aromatasehemmer (Antihormone, die die Wirkung des körpereigenen Östrogens hemmen) bestritten. In beiden Fällen soll erreicht werden, dass die betreffenden Rezeptoren auf den Zellen blockiert werden, um ein hormonbedingtes Wachstum zu verhindern.

 

Letzte Aktualisierung: 22.03.2016