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MORBUS GAUCHER

Morbus Gaucher ist eine angeborene, chronisch fortschreitende Stoffwechselstörung, bei der die Betroffenen über zu geringe Mengen des lysosomalen Enzyms β-Glukozerebrosidase verfügen. Dieses Enzym hilft dem Körper normalerweise beim Abbau von Glukozerebrosid, einem in den Lysosomen der Makrophagen (Fresszellen) gespeicherten Fettstoff. Bei fehlender oder unzureichender Enzymaktivität kommt es zu einer fortlaufenden Anreicherung von Glukozerebrosid innerhalb dieser Zellen. Diese schwellen daraufhin stark an und lagern sich als sogenannte „Gaucher-Zellen“ vor allem in Milz, Leber und Knochen ab. In der Folge kommt es zu Vergrößerungen und Funktionsstörungen der betroffenen Organe. Das führt zu einer Vielzahl von Symptomen, die zu jeder Zeit, vom frühen Kindes- bis ins hohe Erwachsenenalter auftreten können. Morbus Gaucher ist die häufigste der rund 50 sogenannten lysosomalen Speicherkrankheiten. Schätzungen zufolge ist etwa eine von 40.000 bis 100.000 Personen der Gesamtbevölkerung an Morbus Gaucher erkrankt.

Anzeichen und Symptome

Die unterschiedlichen Symptome von Morbus Gaucher resultieren aus der fortschreitenden Einlagerung von Gaucher-Zellen im Körper. In der Regel sammeln sich Gaucher-Zellen vorrangig in Milz, Leber und Knochenmark an. Nur in seltenen Fällen können sie sich in anderen Geweben, beispielsweise im lymphatischen System, in Lunge, Haut, Augen, Niere, Herz sowie im Nervensystem anreichern. Die Symptomatik, die oft heterogen ausgeprägt ist, kann zu jeder Zeit altersunabhängig auftreten.

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© Sanofi Genzyme

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Nicht jeder Patient, der an Morbus Gaucher erkrankt ist, entwickelt die gleichen Symptome. Zudem können Art und Schwere der Erkrankung stark variieren: Während manche Betroffene erst spät Symptome ausbilden, können andere schon in der Kindheit lebensbedrohliche Zustände entwickeln. Bleibt die Krankheit unbehandelt, können sich irreversible Schädigungen entwickeln. Zusätzlich führen Allgemeinbeschwerden wie Müdigkeit, Leistungsminderung und Infektanfälligkeit zu einer deutlichen Reduzierung der Lebensqualität.

Diagnose

Eine genaue und definitive Diagnose von Morbus Gaucher kann durch einen einfachen Trockenbluttest, der die Aktivität des Enzyms β-Glukozerebrosidase misst, erfolgen. Bei Gesunden zeigt der Test eine normale Enzymaktivität; bei Betroffenen ist die Enzymaktivität stark vermindert.

Bei typischen Symptomen und eindeutig verringerter Enzymaktivität sind weitere diagnostische Untersuchungen von Knochen, Leber oder Milz nicht erforderlich. Ein Gentest kann zusätzliche Informationen liefern, ist aber nicht zwingend notwendig. Eine zusätzliche Punktion des Knochenmarks wird nicht empfohlen, da die Gaucher-Zellen im Knochenmark unregelmäßig verteilt sind und man somit unter Umständen keinen eindeutigen Befund erhält.

Entscheidend für eine frühzeitige Diagnose ist, dass der behandelnde Arzt überhaupt an die Möglichkeit dieser seltenen Erbkrankheit denkt, um die notwendigen Untersuchungen zu veranlassen. Viele Symptome können fälschlicherweise anderen, häufig vorkommenden Krankheiten zugeordnet werden. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, kann dies zu irreversiblen Schäden führen. Deshalb helfen Früherkennung und frühe Intervention den Betroffenen, ein möglichst normales und beschwerdefreies Leben zu führen.

Therapie

Bis Anfang der 90er Jahre gab es in Europa für Patienten mit Morbus Gaucher ausschließlich die Möglichkeit einer symptomatischen Therapie. Genzyme hat als erstes Unternehmen weltweit eine kausale Enzymersatztherapie (enzyme replacement therapy, ERT) bei Morbus Gaucher entwickelt und bietet seit 2015 darüber hinaus mit einer Substratreduktionstherapie eine orale Alternative. Seit 20 Jahren ist die zweite Generation der ERT verfügbar, bei der das fehlende Enzym ß Glukozerebrosidase biotechnologisch hergestellt und dem Körper durch Infusion zugeführt wird. So können die in den Gaucher-Zellen gespeicherten Glukozerebroside abgebaut werden. Die kausal in allen betroffenen Organsystemen wirkende Infusionstherapie erfolgt regelmäßig und ein Leben lang.

Die orale Substratreduktionstherapie ist seit 2015 in Europa zugelassen und erhielt von der europäischen Zulassungsbehörde EMA die „Orphan Drug Designation“. Der Wirkmechanismus beruht auf der hochspezifischen Hemmung des Enzyms, das für die Entstehung des Substrats Glukozerebrosid verantwortlich ist. Im Zusammenwirken mit der noch vorhandenen Restenzymaktivität im Körper des Patienten wird so der pathologischen Anreicherung von Glukozerebrosid vorgebeugt.

Letzte Aktualisierung: 21.11.2018