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MORBUS POMPE

Morbus Pompe ist eine seltene Erbkrankheit. Ursache ist das teilweise oder völlige Fehlen des lysosomalen Enzyms saure α-Glukosidase. Bei Betroffenen verursacht die Krankheit Muskelschwund, während weitere Symptome von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sind.

Verursacht wird sie durch einen genetischen Defekt des Enzyms saure α-1,4-Glukosidase (Saure Maltase), welches für den Abbau von Glykogen, das sind gespeicherte Zuckermoleküle, verantwortlich ist. Die Folge ist eine zunehmende Einlagerung von Glykogen in den Lysosomen der Muskelzellen, was bei Menschen aller Altersgruppen zu einer fortschreitenden Muskelschwäche führt und die Bewegung, die Atmung und bei Säuglingen die Herzfunktion beeinträchtigt.

Morbus Pompe wurde nach dem niederländischen Arzt und Pathologen J. C. Pompe benannt. Er hat die Erkrankung 1932 bei einem 7 Monate alten Mädchen erstmals beschrieben, ohne die Ursachen der weitreichenden Organbeteiligungen zu erkennen.
Der Verlauf von Morbus Pompe ist progressiv, d.h. im Laufe der Zeit tritt eine Verschlechterung des Zustands ein. M. Pompe ist selten und betrifft weltweit schätzungsweise zwischen 5.000 und 10.000 Patienten. Die Inzidenz für alle Verlaufsformen variiert zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen stark und Schätzungen reichen von 1:40.000 bis 1:300.000.

Anzeichen und Symptome

Obwohl der ursächliche genetische Defekt von Geburt an besteht, können erste Symptome zu unterschiedlichen Zeitpunkten auftreten. Grundsätzlich werden zwei Formen der Erkrankung anhand des Zeitpunkts des ersten Auftretens von Symptomen unterschieden: die infantile (frühkindliche) Verlaufsform sowie die juvenile (jugendliche) bzw. adulte (erwachsene) Verlaufsform.

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© Sanofi Genzyme

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Treten die Symptome bereits in den ersten Lebensmonaten auf, schreitet die Krankheit im Allgemeinen sehr schnell voran. Im Vordergrund steht bei der infantilen Verlaufsform eine massive Herzvergrößerung; weitere Symptome sind Atembeschwerden, Trinkschwäche und Nicht-Erreichen von Entwicklungsschritten. In der Regel versterben die Patienten noch im ersten Lebensjahr an Herzversagen infolge einer zunehmenden Herzmuskelschwäche. Tritt die Erkrankung erst im Kindes-, Jugend- oder Erwachsenenalter in Erscheinung, ist das Beschwerdebild zunächst oft uneinheitlich. Häufig sind vor allem die Atemmuskulatur (Zwerchfellschwäche) sowie die rumpfnahe Skelettmuskulatur (Oberarm, Becken/Oberschenkel) betroffen, was zu Atembeschwerden und Schwierigkeiten bei der Mobilität führt. Die Erkrankung schreitet langsamer voran und kann individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Während einige Patienten nur leichte Krankheitszeichen mit geringfügigen Beeinträchtigungen aufweisen, werden andere Patienten im späteren Verlauf rollstuhl- und/oder beatmungspflichtig. Aufgrund der fortschreitenden Atemschwäche bis hin zum Atemversagen ist die Lebenserwartung in den meisten Fällen verkürzt.

Diagnose

Morbus Pompe ist eine komplexe Erkrankung und kann aus mehreren Gründen schwer zu erkennen sein. Zum einen ist die Krankheit so selten, dass viele Ärzte noch nie einen Patienten mit Morbus Pompe gesehen haben und die richtige Diagnose daher nicht in Betracht ziehen. Darüber hinaus ähneln viele Symptome jenen anderer, häufigerer Erkrankungen, weswegen eine falsche Diagnose gestellt wird.

Bei Säuglingen mit klassischer infantiler Verlaufsform des M. Pompe lässt sich die Diagnose aufgrund der ausgeprägten klinischen Symptomatik und des bedrohlich schnellen Voranschreitens relativ sicherstellen. Oft findet sich auf einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs ein stark vergrößertes Herz. Bei älteren Patienten hingegen sind die Krankheitszeichen oft nicht so eindeutig ausgeprägt und können mit anderen Muskelerkrankungen verwechselt werden.

Das heute zuverlässigste diagnostische Verfahren besteht in der Bestimmung der Enzymaktivität der fehlenden bzw. nicht in ausreichendem Maß produzierten sauren α-1,4-Glukosidase mittels einer Blutprobe. Wird bei dieser Untersuchung eine erniedrigte oder fehlende Aktivität des Enzyms festgestellt, kann dies als Bestätigung der Verdachtsdiagnose Morbus Pompe gewertet werden. Bei Patienten mit infantiler Verlaufsform kann das Enzym so gut wie gar nicht nachgewiesen werden, dafür aber ein korrespondierender, deutlich erhöhter Glykogengehalt.

Aufgrund des progredienten Charakters von Morbus Pompe ist es wichtig, die Krankheit so früh wie möglich zu diagnostizieren, damit eine entsprechende Behandlung sofort beginnen kann.

Therapie

Bis vor wenigen Jahren konnten Patienten mit Morbus Pompe nur symptomatisch unterstützend therapiert werden. Seit Anfang 2006 steht Betroffenen eine Enzymersatztherapie zur Verfügung. Hierbei wird dem Körper das fehlende Enzym über eine Infusion zugeführt und so die fehlende saure α-1,4-Glukosidase ersetzt. Dies soll helfen, bereits abgelagertes Glykogen in den Lysosomen abzubauen und eine erneute Speicherung zu verhindern. Die Therapie muss regelmäßig und ein Leben lang erfolgen.
In einigen Fällen hat es zu einem Stillstand der Krankheit geführt. In manchen Fällen hat sich zusätzlich das Wohlbefinden und vor allem auch die Atmungssituation verbessert und in anderen Fällen hat sich auch die Muskelkraft außerordentlich gebessert. Insgesamt lässt sich ableiten, dass der Erfolg umso größer ist, je früher die Therapie begonnen wurde.

Neben der kausalen Infusionstherapie bleibt die Notwendigkeit der symptomatischen Therapie bestehen. Hierzu zählen insbesondere die Atemtherapie sowie Bewegungs- und Physiotherapie. Die Lebensqualität von Pompe-Patienten lässt sich so in vielen Fällen deutlich verbessern.

Seit vielen Jahren versuchen Forscherteams auf der ganzen Welt, eine Gentherapie zu entwickeln, welche die Ursache der Erkrankung behebt. Die Hoffnung dabei ist, im Idealfall eine nur einmal anzuwendende Behandlungsmethode zur Verfügung zu haben, die bei entsprechend früher Anwendung sogar eine Heilung herbeiführen könnte. Ob und wann eine solche Möglichkeit für Pompe-Patienten zur Verfügung stehen wird, ist jedoch noch nicht abzusehen.

Letzte Aktualisierung: 21.11.2018