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MUKOPOLYSACCHARIDOSE TYP 1 (MPS1)

Mukopolysaccharidose Typ 1 (MPS1) zählt zu den seltenen angeborenen lysosomalen Speicherkrankheiten.
Diese wird verursacht durch einen Defekt jenes Gens, welches für die Produktion des Enzyms α-L-Iduronidase verantwortlich ist. Aufgrund des Defekts wird das Enzym nur in geringen Mengen oder überhaupt nicht produziert. Das Enzym wird zum Abbau sogenannter Glykosaminoglykane (GAG) benötigt. Das sind langkettige, komplexe Zuckermoleküle, die bei Stoffwechselprozessen im Körper anfallen und am Aufbau z. B. von Knochen, Knorpel, Sehnen und Haut, aber auch anderer Gewebe beteiligt sind. Können GAG nicht abgebaut werden, kommt es zu krankhaften Anreicherungen in den Lysosomen, was in der Folge zu Zell-, Gewebe- und Organschäden führt.

MPS I ist eine von sieben Subtypen von MPS. Jede MPS-Erkrankung wird durch eine Anhäufung von GAG in den Lysosomen verursacht, unterscheidet sich jedoch je nach gespeichertem GAG-Typ, Verteilungsmuster und klinischem Erscheinungsbild.

Anzeichen und Symptome

Obwohl alle betroffenen Patienten den gleichen Enzymdefekt aufweisen, gibt es große Unterschiede im Zeitpunkt des Auftretens sowie in der Ausprägung der Erkrankung. Je nach Krankheitsverlauf können erste Anzeichen im Säuglingsalter, in der Kindheit oder bei jungen Erwachsenen auftreten.

© Sanofi Genzyme

Unbehandelt verläuft MPS I progressiv, d. h. die Symptome verschlimmern sich je nach Schweregrad der Erkrankung nach und nach. Die Symptome reichen dabei von stark einschränkenden körperlichen Veränderungen, geistigen Behinderungen und irreversiblen Organschäden, bis hin zum frühen Tod.

Abhängig davon, ob auch das Zentralnervensystem (ZNS) von der Erkrankung betroffen ist, wird zwischen einer schweren Verlaufsform (neuronopathisch, Morbus Hurler) und einer milden Verlaufsform (nicht-neuronopathisch, Morbus Scheie) unterschieden. Dazwischen existieren alle symptomatischen Zwischenstufen (Morbus Hurler-Scheie).

Diagnose

MPS I ist eine progrediente (voranschreitende) Erkrankung. Eine frühe Diagnose und Intervention kann irreversible Schäden vermeiden. Meist sind es die Eltern, denen erste Veränderungen an ihren Kindern auffallen. Aufgrund der Kombination der Symptome ergibt sich anfänglich lediglich ein Verdacht, dass es sich um MPS I handeln könnte. Zur Diagnose wird ein Arzt in der Regel zunächst einen Urintest durchführen, um zu überprüfen, ob ein ungewöhnlich hoher GAG-Spiegel vorliegt. Für einen eindeutigen Befund aber reicht der Test nicht aus, da auch andere Stoffwechselstörungen eine vermehrte Ausscheidung von GAG bewirken können. Für die definitive Diagnose muss die Enzymaktivität im Blut oder in den Hautzellen bestimmt werden. Bei gesunden Personen zeigen die Tests eine normale Enzymaktivität, bei Personen mit MPS I hingegen ist diese deutlich geringer oder fehlt gänzlich.

Therapie

Seit Sommer 2003 steht allen Patienten mit einer gesicherten Diagnose von MPS I eine Enzymersatztherapie zur spezifischen Behandlung zur Verfügung. Bei frühzeitigem Therapiebeginn kann diese den Krankheitsverlauf deutlich positiv beeinflussen.

Die Verabreichung des fehlenden Enzyms sorgt für den Abbau der angereicherten Glykosaminoglykane (GAG) in den Lysosomen und verhindert die erneute Ansammlung. Dadurch können Organ- und Knochenschädigungen verringert oder sogar vermieden werden, die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt zu. Regelmäßige Enzyminfusionen können den Gesundheitszustand des Patienten dauerhaft verbessern und das Fortschreiten der Krankheit aufhalten.

Wie alle körpereigenen Substanzen, wird auch das zugeführte Enzym immer wieder abgebaut. Daher müssen MPS-I-Patienten ihr ganzes Leben lang in regelmäßigen Abständen Enzyminfusionen bekommen. Bei Patienten mit schwerer, neuronopathischer Verlaufsform kann bei frühzeitiger Diagnose zudem eine Knochenmarktransplantation in Erwägung gezogen werden.

Letzte Aktualisierung: 18.10.2017